Früher hat Ihr zusammen gelacht. Heute liegt er stundenlang auf dem Sofa, antwortet einsilbig, sagt Verabredungen ab und wirkt, als wäre das Licht in ihm ausgegangen. Oder sie ist reizbar, weint ohne erkennbaren Grund und sagt den Satz, den Du kaum aushältst: „Es liegt nicht an Dir.“ Du bist sicher, dass es doch irgendwie an Dir liegen muss. Und Du googelst nachts, was Du tun kannst.
Wenn Dein Partner oder Deine Partnerin depressiv ist, trifft es Euch beide. Du erlebst Hilflosigkeit, manchmal Wut, oft Schuldgefühle, und gleichzeitig die Pflicht, funktionieren zu müssen. In diesem Artikel findest Du keine Wundertricks. Du findest eine ehrliche Orientierung: was bei einer Depression eigentlich los ist, was Dir hilft zu helfen, was Du lieber lässt und wo Deine eigenen Grenzen liegen. Denn Du kannst nur dann dauerhaft an der Seite bleiben, wenn Du dabei nicht selbst untergehst.
Kurz gesagt
- Depression ist eine Erkrankung, keine Willensschwäche. Sie lässt sich behandeln, und Rückzug oder Reizbarkeit sind oft Symptome, keine Ablehnung gegen Dich.
- Du musst nicht heilen. Deine Aufgabe ist da sein, zuhören, Hilfe anstoßen und den Alltag mittragen, nicht Therapeut oder Therapeutin zu sein.
- Weniger Ratschläge, mehr Anwesenheit. „Reiß Dich zusammen“ und „Denk positiv“ helfen nicht, Sätze wie „Ich bin da“ schon.
- Pass auf Dich auf. Angehörige erschöpfen oft selbst. Eigene Grenzen, Pausen und Unterstützung sind kein Egoismus.
- Bei Suizidgedanken: direkt ansprechen, nicht allein lassen, Hilfe holen (112, Telefonseelsorge 0800 111 0 111).
Inhalt dieses Artikels
- Was bei einer Depression eigentlich passiert
- Es liegt nicht an Dir, aber es betrifft Dich
- Was wirklich hilft: acht kleine Dinge
- Sätze, die helfen, und Sätze, die selten helfen
- Professionelle Hilfe anstoßen, ohne zu drängeln
- Alltag, Haushalt, Kinder: Wie Ihr die Last fair verteilt
- Du bist auch betroffen: Schuld, Ärger, Erschöpfung
- Wann es ernst wird: Warnzeichen und Notfall
- Nähe, Sexualität und Beziehung in der Depression
- Typische Situationen im Alltag und wie Du sie meisterst
- Therapie, Medikamente, Klinik: Was Angehörige wissen sollten
- Verlauf und Rückfälle: Womit Du rechnen kannst
- Kinder und Familie: Was Kinder verstehen dürfen
- Weiterführende Quellen und Anlaufstellen
- Weiterlesen: Passende Artikel auf CoGether
- Häufige Fragen
Was bei einer Depression eigentlich passiert
Eine Depression ist mehr als schlechte Laune oder eine anstrengende Phase. Fachleute sprechen von einer depressiven Episode, wenn über mindestens zwei Wochen mehrere Anzeichen zusammenkommen. Zu den Hauptsymptomen zählen eine gedrückte Stimmung, der Verlust von Interesse und Freude (auch an Dingen, die früher wichtig waren) und ein deutlich verminderter Antrieb. Hinzu kommen können Konzentrationsprobleme, ein geringes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit, Schlafstörungen, veränderter Appetit und manchmal Gedanken, nicht mehr leben zu wollen.
Wichtig für Dich als Angehörige oder Angehörigen: Die Depression verändert, wie Dein Partner die Welt erlebt. Er sieht sich, die Zukunft und Euch durch eine verzerrte Brille. Die Gedanken „Ich bin eine Last“, „Mir kann ohnehin keiner helfen“ oder „Du wärst ohne mich besser dran“ fühlen sich für ihn absolut wahr an. Sie sind Symptome, keine Analysen. Das heißt nicht, dass jedes Verhalten egal ist. Aber es erklärt, warum Argumente und Aufmunterung selten durchdringen.
Mehr zu den Anzeichen und Formen findest Du im Artikel Depression erkennen. Falls Dein Partner nach außen alles gut „funktioniert“, lies auch Versteckte Depression. Und wenn es um einen Mann geht, der sich nicht öffnet: Depression bei Männern.
Es liegt nicht an Dir, aber es betrifft Dich
Viele Angehörige durchlaufen dieselben Gedanken: Habe ich etwas falsch gemacht? Bin ich nicht genug? Warum kann ich ihm nicht helfen? Eine Depression entsteht nie aus einem einzelnen Ereignis oder einem Fehler in der Beziehung. Es wirken meist mehrere Faktoren zusammen, zum Beispiel Veranlagung, Stress, Belastungen, Verluste und Lebensumstände. Du bist weder schuld noch die Lösung.
Trotzdem betrifft es Dich. Du erlebst, dass die Person, die Du kennst, kaum noch erreichbar ist. Du trägst zusätzliche Aufgaben, hältst Pläne aufrecht und redest Dir manchmal ein, dass es „nicht so schlimm“ ist. Dass Du Wut, Erschöpfung oder den Wunsch nach Abstand spürst, ist kein Zeichen von mangelnder Liebe. Es ist eine normale Reaktion auf eine anhaltende Belastung. Wir kommen darauf im Abschnitt „Du bist auch betroffen“ zurück.
Was wirklich hilft: acht kleine Dinge
Du musst keine perfekte Unterstützung leisten. Diese acht Dinge helfen in der Praxis am meisten:
- Da sein, ohne etwas zu fordern. Setz Dich dazu, auch wenn nicht gesprochen wird. Anwesenheit ist oft wichtiger als Worte.
- Zuhören und nicht reparieren. „Das klingt schwer. Magst Du erzählen?“ statt „Du musst nur…“.
- Die Erkrankung ernst nehmen. Sag nicht „Das geht vorbei“, sondern „Ich glaube Dir, dass es Dir gerade sehr schlecht geht.“
- Kleine, konkrete Angebote machen. Statt „Sag Bescheid, wenn Du was brauchst“ lieber: „Soll ich heute Abend kochen?“ oder „Ich gehe nachher 15 Minuten spazieren, kommst Du mit?“. Entscheidungen kosten bei Depression enorm viel Kraft.
- Struktur anbieten, ohne Druck. Feste Zeiten für Essen, Licht und Bewegung können tragen. Fordere nichts ein, lade ein.
- Kleine Schritte würdigen. Dusche, Spaziergang, Anruf: Jeder Schritt zählt, auch wenn er von außen klein wirkt.
- Wichtige Entscheidungen möglichst vertagen. Trennung, Kündigung oder Umzug sehen durch die „depressive Brille“ oft anders aus als nach der Genesung.
- Geduld haben und Dich erinnern: Depression ist meist kein Dauerzustand. Mit Behandlung bessert sie sich bei den meisten Menschen deutlich.
Sätze, die helfen, und Sätze, die selten helfen
In den schwierigen Momenten fehlen oft die Worte. Diese Gegenüberstellung kann Dir als Orientierung dienen. Es geht nicht um perfekte Formulierungen, sondern um die Haltung dahinter: Ich sehe Dich, ich urteile nicht, ich bleibe.
Sätze, die oft helfen:
- „Ich bin da. Du musst nicht reden.“
- „Es tut mir leid, dass es Dir so schlecht geht. Ich glaube Dir.“
- „Du bist nicht schuld daran, dass es Dir so geht.“
- „Wir finden gemeinsam einen Weg. Du musst das nicht allein tragen.“
- „Soll ich Dich zum Arzttermin begleiten?“
- „Ich mache mir Sorgen um Dich, weil Du mir wichtig bist.“
Sätze, die selten helfen oder Schuldgefühle verstärken:
- „Reiß Dich zusammen.“ / „Du musst nur wollen.“ (Wollen reicht bei einer Depression nicht.)
- „Denk doch mal positiv.“ / „Anderen geht es viel schlechter.“ (Verstärkt Scham.)
- „Du hast doch alles.“ (Depression sucht sich keine Gründe aus.)
- „Fahr mal in den Urlaub, dann wird das schon.“ (Die Depression reist mit.)
- „Ich weiß genau, wie Du Dich fühlst.“ (Auch gut gemeint, nimmt oft das Gefühl, verstanden zu werden.)
Du wirst nicht immer die richtigen Worte treffen, und das ist in Ordnung. Wenn Dir etwas Unpassendes rausrutscht, hilft eine kurze Korrektur: „Das war ungeschickt von mir. Ich wollte sagen, dass ich bei Dir bleibe.“
Professionelle Hilfe anstoßen, ohne zu drängeln
Eine Depression gehört in die Hand von Fachleuten. Je nach Schweregrad kommen Psychotherapie, Medikamente (ärztlich verordnet) oder beides infrage, dazu Alltagsstruktur und Unterstützung im Umfeld. Das Problem: Viele Betroffene halten einen Arztbesuch für überflüssig, glauben nicht an Hilfe oder haben schlicht keine Kraft, einen Termin zu machen.
So kannst Du helfen:
- Sorge äußern statt Diagnose stellen. Du musst nicht „Du bist depressiv“ sagen. Besser: „Ich habe den Eindruck, dass es Dir seit Wochen schlecht geht. Ich mache mir Sorgen. Lass uns das beim Hausarzt abklären. Ich begleite Dich gern.“
- Die Hürde senken. Biete an, anzurufen, einen Termin zu suchen, zu fahren, mitzukommen. Manchmal hilft es, den Termin einfach zu vereinbaren und die Person dorthin zu begleiten.
- Erste Anlaufstellen: Hausarztpraxis, psychotherapeutische Sprechstunde, Psychiatrie oder psychiatrische Institutsambulanz. Die Terminservicestelle (116 117) soll einen Termin für die psychotherapeutische Sprechstunde vermitteln.
- Wiederholen statt aufgeben. Lehnt Dein Partner ab, bleib freundlich dran. Beim zweiten oder dritten Mal klappt es oft eher.
- Medikamente nicht eigenmächtig beeinflussen. Weder zureden noch abraten: Fragen dazu gehören in die ärztliche Sprechstunde.
Was Du tun kannst, wenn jemand Hilfe konsequent ablehnt, beschreibt der Artikel Mein Partner will keine Hilfe.
NIMM DIR FÜNF MINUTEN
Alltag, Haushalt, Kinder: Wie Ihr die Last fair verteilt
Eine Depression verändert die Rollen in einer Beziehung. Plötzlich trägst Du mehr: Haushalt, Termine, Kinder, Geld, manchmal die Stimmung der ganzen Familie. Das geht eine Zeit lang gut, wird aber auf Dauer zur Falle, wenn Du alles auffängst und Dein eigenes Leben schrumpft.
- Macht eine ehrliche Bestandsaufnahme. Wer macht gerade was? Was ist realistisch, was kann warten? Nicht alles muss weiterlaufen wie vorher.
- Entlastung organisieren. Familie, Freundinnen und Freunde, Nachbarn, Haushaltshilfe, Kinderbetreuung. Bitte konkret: „Kannst Du am Mittwoch die Kinder nehmen?“
- Kinder altersgerecht einbeziehen. Kinder merken, dass etwas nicht stimmt. Sag ihnen in einfachen Worten: „Papa ist krank, nicht Du schuld. Er bekommt Hilfe.“ Gib ihnen Verlässlichkeit und andere Erwachsene, mit denen sie sprechen können.
- Verbindlichkeiten abfedern. Mit Arbeitgeber, Behörden und Krankenkasse klären, was nötig ist. Krankschreibung und Behandlung gehören zusammen.
Du bist auch betroffen: Schuld, Ärger, Erschöpfung
Angehörige sind oft die vergessenen Betroffenen. Du trägst Sorgen, Verantwortung und Hilflosigkeit, und niemand fragt Dich, wie es Dir geht. Typische Gefühle sind:
- Schuld: „Hätte ich es früher merken müssen? Mache ich genug?“
- Ärger: „Warum nimmt er keine Hilfe an? Ich kann nicht mehr.“ Ärger ist menschlich, nicht verwerflich.
- Einsamkeit: Freunde ziehen sich zurück, weil das Thema unangenehm ist, oder Du schämst Dich, darüber zu sprechen.
- Erschöpfung: Wer dauerhaft über der eigenen Belastungsgrenze funktioniert, wird selbst krank. Das ist keine Seltenheit.
Deshalb gehört Selbstfürsorge zur Unterstützung dazu, nicht als Kür, sondern als Voraussetzung:
- Eigene Termine halten: Freundinnen treffen, Sport, ein Hobby. Du darfst Dich um Dich kümmern, auch wenn es Deinem Partner schlecht geht.
- Ein Netz aufbauen: Zwei oder drei Menschen, mit denen Du ehrlich sprechen kannst.
- Angehörigengruppen nutzen: Der Austausch mit Menschen in derselben Lage entlastet spürbar. Gruppen findest Du über den BApK und die Landesverbände sowie über sozialpsychiatrische Dienste.
- Für Dich selbst professionelle Hilfe holen, wenn Du merkst: Ich schlafe schlecht, ich grübele ständig, ich werde gereizt, ich funktioniere nur noch. Sprich mit Deiner Hausarztpraxis.
Mehr dazu, wie Du Grenzen setzt, ohne Dich schuldig zu fühlen, findest Du in Angehörige und eigene Grenzen und in Grenzen setzen lernen. Wenn Du Dich schnell für alle verantwortlich fühlst, hilft auch People Pleasing ablegen.
Wann es ernst wird: Warnzeichen und Notfall
Manchmal wird aus Hoffnungslosigkeit der Gedanke, nicht mehr leben zu wollen. Das ist bei Depression nicht selten und ein Zeichen für schwere Not, nicht für Schwäche. Nimm jede Äußerung ernst. Warnzeichen sind zum Beispiel Sätze wie „Ich will nicht mehr“, „Ihr kommt ohne mich besser klar“, plötzlicher Rückzug und Verabschieden, das Verschenken wichtiger Dinge oder auch eine auffällige Ruhe nach einer Phase großer Verzweiflung.
Frag direkt nach: „Denkst Du daran, Dir etwas anzutun?“ Das Ansprechen verstärkt keine Suizidgedanken. Es kann Erleichterung bringen, weil die Person nicht mehr allein damit ist. Was Du weiter tun kannst, steht ausführlich in Suizidgedanken bei Angehörigen.
Wenn es akut ist
- Lebensgefahr oder konkrete Suizidpläne: Notruf 112. Bleib bei der Person.
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 oder 116 123, kostenlos, rund um die Uhr, auch für Angehörige.
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117.
- Info-Telefon Depression: 0800 33 44 533, kostenlos (Mo, Di, Do 13 bis 17 Uhr, Mi, Fr 8:30 bis 12:30 Uhr).
Nähe, Sexualität und Beziehung in der Depression
Depression verändert Nähe. Lust, Berührung und Zärtlichkeit können stark nachlassen. Das ist ein Symptom, kein Urteil über Dich oder die Beziehung. Es kann sich anfühlen wie Zurückweisung und trotzdem nichts mit Dir zu tun haben.
- Sprich offen darüber, was Du brauchst und was gerade nicht geht. Ohne Vorwurf: „Mir fehlt Nähe, und ich weiß, dass es Dir gerade schwerfällt. Wie könnten wir trotzdem verbunden bleiben?“
- Kleine Zeichen von Verbindung helfen: eine Hand, ein gemeinsamer Tee, ein Satz am Morgen.
- Setz Dich nicht unter Druck, alle Bedürfnisse allein zu stillen: Freundschaften, Hobbys und Nähe außerhalb der Partnerschaft tragen mit.
- Wenn Spannungen zunehmen, kann Paarberatung oder eine Beratung für Dich allein helfen, neu zu sortieren.
Eine Beziehung kann eine Depression überstehen und manchmal sogar gestärkt aus ihr hervorgehen. Voraussetzung ist, dass beide Seiten Unterstützung bekommen, nicht nur die erkrankte Person.
Typische Situationen im Alltag und wie Du sie meisterst
Depression zeigt sich im Kleinen. Wer die typischen Momente kennt, reagiert gelassener.
- Der Morgen. Viele Betroffene haben morgens das Tief („Morgentief“). Gespräche, Pläne und Entscheidungen verschiebst Du besser auf den Nachmittag oder Abend. Ein ruhiger, immer gleicher Start (Licht, Kaffee, kurze Dusche) hilft mehr als Motivationsreden.
- Das Wochenende. Ohne Struktur kippt es oft. Ein einziger kleiner Fixpunkt pro Tag (Spaziergang, Einkauf, Mittagessen) reicht, nicht ein volles Programm.
- Einladungen und Feiern. Sagt gemeinsam ab, wenn es nicht geht, oder verabredet ein Zeitfenster („Wir gehen für eine Stunde und dürfen jederzeit wieder gehen“). Wichtig: Du darfst auch allein hingehen.
- Nähe und Sexualität. Depression dämpft Lust und Gefühlsintensität. Das sagt nichts über Deinen Wert. Sprecht darüber, ohne Druck, und bietet Nähe ohne Erwartung an.
- Haushalt und Organisation. Wenn Aufgaben liegen bleiben, hilft eine klare, kleine Absprache („Du nimmst die Post, ich den Rest“) mehr als stilles Übernehmen mit wachsendem Groll.
- Schlaf. Zu viel oder zu wenig Schlaf gehört häufig dazu. Feste Aufsteh- und Zubettgehzeiten stabilisieren, auch wenn es zäh ist.
- Essen und Bewegung. Regelmäßige Mahlzeiten und etwas Tageslicht draußen sind Basis. Fordere kein Sportprogramm, aber lade zu einem kurzen gemeinsamen Gang ein.
Das Muster dahinter: kleine, verlässliche Schritte statt großer Veränderungen. Ein „Schaffst Du heute 10 Minuten draußen?“ ist leichter als „Du musst endlich wieder etwas tun“.
Therapie, Medikamente, Klinik: Was Angehörige wissen sollten
Du musst die Behandlung nicht beurteilen, aber ein Grundverständnis hilft Dir, Mut zu machen und Erwartungen zu klären.
- Psychotherapie (zum Beispiel Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierte Therapie) ist bei Depression gut wirksam. Der Einstieg erfolgt oft über die psychotherapeutische Sprechstunde. Wartezeiten sind lang, ein Anruf bei der Terminservicestelle (116 117) lohnt sich.
- Antidepressiva können bei mittelschwerer und schwerer Depression sinnvoll sein. Sie wirken meist erst nach etwa zwei bis vier Wochen, und Nebenwirkungen zu Beginn sind möglich. Wichtig: Nie eigenmächtig absetzen, das entscheidet die behandelnde Ärztin oder der Arzt. Ermutige, Fragen und Beschwerden offen anzusprechen.
- Klinik, Tagesklinik, Reha: Bei schwerer Ausprägung, Suizidgedanken oder wenn ambulant nichts mehr trägt, kann stationäre oder teilstationäre Behandlung der richtige Schritt sein. Das ist keine Niederlage, sondern ein geschützter Rahmen.
- Ergänzend: Bewegung, Tageslicht, Struktur, Selbsthilfegruppen und Online-Programme können unterstützen, ersetzen aber bei ausgeprägter Depression keine ärztliche Behandlung.
Du darfst Dich bei Einverständnis Deines Partners in die Behandlung einbeziehen lassen (zum Beispiel ein gemeinsames Gespräch, Angehörigengespräch oder Psychoedukation). Ohne Einwilligung darf die Ärztin oder der Arzt Dir wegen der Schweigepflicht in der Regel nichts sagen, kann aber Informationen von Dir entgegennehmen. Auch das ist hilfreich: Schildere, was Du im Alltag beobachtest.
Verlauf und Rückfälle: Womit Du rechnen kannst
Depression verläuft selten gradlinig. Viele Phasen enden nach Wochen bis Monaten, manchmal dauert es länger. Es gibt gute Tage und Rückschläge. Das kann Angehörige entmutigen („Ich dachte, es wird besser“), ist aber normal. Rückfälle bedeuten nicht, dass die Behandlung gescheitert ist.
- Frühwarnzeichen kennen: Schlafveränderung, Rückzug, Gereiztheit, Freudlosigkeit. Sprecht in guten Zeiten darüber, woran Ihr einen Rückfall früh erkennt und was dann hilft (Termin vereinbaren, Medikamente nicht absetzen, Belastungen reduzieren).
- Nach der akuten Phase: Viele Betroffene wollen zu schnell wieder „normal“ funktionieren. Ein behutsamer Wiedereinstieg schützt vor Rückfall.
- Dein Gefühlsleben: Auch nach der Besserung bleibt bei Angehörigen oft Anspannung („Ist es wieder so weit?“). Sprich darüber, auch das ist Teil der Verarbeitung.
Kinder und Familie: Was Kinder verstehen dürfen
Kinder spüren, dass etwas nicht stimmt. Schweigen verunsichert sie mehr als eine ehrliche, altersgerechte Erklärung. Hilfreich ist:
- Einfach erklären: „Papa ist krank. Das ist keine Erkältung, sondern eine Krankheit der Seele. Er bekommt Hilfe.“
- Entlasten: „Du bist nicht schuld und musst ihn nicht gesund machen.“
- Verlässlichkeit sichern: feste Rituale, vertraute Bezugspersonen, Alltag so normal wie möglich.
- Fragen zulassen und Gefühle benennen, auch Angst und Wut.
- Wenn Kinder auffällig reagieren (Rückzug, Schulprobleme, Bauchschmerzen), hilft Beratung, etwa in Familienberatungsstellen.
Für Dich als Elternteil gilt: Du darfst Hilfe annehmen. Wenn Du am Limit bist, ist das keine Schwäche, sondern ein Hinweis, die Last zu teilen (siehe Angehörige und eigene Grenzen).
Weiterführende Quellen und Anlaufstellen
- Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention: „Tipps für Angehörige“ und Info-Telefon Depression (0800 33 44 533).
- BApK, Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen: Beratung, Seelefon (0228 71 00 24 24) und Angehörigengruppen in Deiner Nähe.
- Telefonseelsorge (0800 111 0 111, 0800 111 0 222, 116 123), Terminservicestelle und ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117.
- Familiencoach Depression (familiencoach-depression.de): Online-Programm für Angehörige.
- Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression (AWMF, ÄZQ) und Patientenleitlinie für Betroffene und Angehörige.
Prüfe bei allen Quellen, ob sie aktuell sind. Leitlinien, Telefonzeiten und Regelungen ändern sich.
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Wichtig zu wissen
Eine Depression sollte ärztlich oder psychotherapeutisch abgeklärt und behandelt werden. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine Diagnose, Beratung oder Behandlung durch Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Coaching und Mentoring behandeln keine Erkrankungen und stellen keine Diagnosen. Wenn Du Dich in einer akuten Krise befindest oder Gedanken hast, Dir etwas anzutun, such Dir bitte sofort Hilfe: Notruf 112, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117 oder Telefonseelsorge (kostenlos, rund um die Uhr) unter 0800 111 0 111.
Häufige Fragen
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Sei da, hör zu, ohne zu bewerten, mach kleine konkrete Angebote, ermutige zu professioneller Hilfe und achte auf Deine eigenen Grenzen. Rate nicht zu Aufmunterung oder Reisen und vermeide Sätze wie „Reiß Dich zusammen“.
Was soll ich einem depressiven Menschen nicht sagen?
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Wie lange dauert eine Depression?
Das ist sehr unterschiedlich. Viele Episoden bessern sich mit Behandlung innerhalb von Wochen bis Monaten. Rückfälle sind möglich, deshalb ist eine gute Nachsorge wichtig. Eine Depression ist meist kein Dauerzustand.
Muss ich bei meinem Partner bleiben, wenn er depressiv ist?
Du entscheidest selbst, wie viel Du tragen kannst. Wichtige Entscheidungen wie eine Trennung sollten, wenn möglich, nicht in akuter Verzweiflung fallen. Hol Dir für diese Frage Unterstützung, zum Beispiel Beratung für Angehörige.
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