Abstraktes Bild: Eine warme Flamme hinter Milchglas, schwach sichtbar, davor eine ausgestreckte Hand aus Licht, Sinnbild für Nähe trotz emotionaler Taubheit

Für Angehörige

Partner mit Burnout liebt mich nicht mehr: Was dahintersteckt und was Du tun kannst

Dein Partner hat Burnout und wirkt kalt, distanziert oder sagt, er fühle nichts mehr? Warum Erschöpfung Gefühle dämpft, woran Du Taubheit von echtem Liebesverlust unterscheidest und was Euch jetzt hilft.

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Er kommt nach Hause und schaut durch Dich hindurch. Sie umarmt Dich, aber es ist, als wäre niemand da. Er sagt Sätze wie „Ich fühle gerade gar nichts“ oder „Ich weiß nicht, ob ich Dich noch liebe“. Seit Monaten ist er krankgeschrieben oder arbeitet am Limit, schläft schlecht, ist gereizt, vergisst Dinge. Und Du fragst Dich in den stillen Momenten: Liebt er mich nicht mehr? Ist es vorbei?

Diese Frage gehört zu den häufigsten und am wenigsten besprochenen in Beziehungen mit Burnout. Sie wird selten laut gestellt, weil sie egoistisch wirkt („Er ist doch krank, und ich denke an uns“). Sie ist es nicht. Du darfst Dich fragen, was mit Euch passiert. Dieser Artikel erklärt, was Burnout mit Gefühlen und Nähe macht, wie Du emotionale Taubheit von echtem Beziehungsende unterscheiden kannst, wie Ihr miteinander sprecht, was Dir und Euch hilft, und wann der Punkt gekommen ist, an dem Du Deine eigene Entscheidung ernst nehmen solltest. Er ersetzt keine Diagnose oder Therapie.

Kurz gesagt

  • Burnout dämpft Gefühle. Erschöpfung, Zynismus und Abstumpfung sind Kernmerkmale, auch gegenüber Nahestehenden. Das ist kein Beweis für fehlende Liebe.
  • Unterscheide Taubheit von Liebesende. Hilfreiche Hinweise sind: Wie war es vorher? Zeigt sich Wärme in guten Momenten? Ist die Distanz überall oder nur zu Dir?
  • Keine Grundsatzentscheidung im Tief. Erholung dauert. Viele Aussagen („Ich liebe Dich nicht mehr“) sind in diesem Zustand wenig verlässlich.
  • Du darfst Bedürfnisse haben. Nähe, Gespräch und Verlässlichkeit gehören auf den Tisch, auch wenn Dein Partner krank ist.
  • Ein Plan hilft: kleine, regelmäßige Verbindungsmomente, offene Gespräche, Behandlung und Grenzen.

Inhalt dieses Artikels

Was Burnout mit Gefühlen macht

Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt Burnout als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Typisch sind drei Dimensionen: ein Gefühl von Erschöpfung, wachsende mentale Distanz oder Zynismus gegenüber der Arbeit und verringerte Leistungsfähigkeit. Im Alltag zeigt sich noch mehr: Wer ausbrennt, hat oft nichts mehr zu geben.

Dazu gehört:

  • Emotionale Erschöpfung. Die Gefühlskapazität ist aufgebraucht. Auch Freude, Zuneigung und Mitgefühl brauchen Energie. Fehlt sie, wirken Gefühle gedämpft.
  • Depersonalisation und Distanz. Viele Betroffene gehen auf emotionale Distanz, zunächst zur Arbeit, dann zu Menschen allgemein. Es ist ein Schutzmechanismus: Wer nichts fühlt, spürt auch den Druck weniger.
  • Reizbarkeit und Rückzug. Geräusche, Gespräche und Erwartungen werden zu viel. Nähe und Sex können sich wie eine weitere Anforderung anfühlen.
  • Schlafstörungen, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme. Dein Partner wirkt abwesend, weil sein Kopf überlastet ist.
  • Schuld und Scham. Viele erleben sich als Versager und ziehen sich auch deshalb zurück.

Für Dich heißt das: Vieles, was nach „Ablehnung“ aussieht, ist Schutz und Überforderung. Das macht es nicht weniger schmerzhaft, aber es verändert die Bedeutung. Weitere Grundlagen zu Burnout findest Du in Burnout erkennen und Burnout-Phasen und Test.

Taubheit oder Liebesende? Woran Du es unterscheiden kannst

Eine sichere Diagnose gibt es hier nicht, weder von mir noch von Dir. Es gibt aber Hinweise, die helfen, einzuordnen. Nutze sie als Fragen, nicht als Beweise.

Eher emotionale Taubheit durch Erschöpfung, wenn:

  • die Distanz alle Bereiche betrifft: Freunde, Hobbys, Essen, Humor, nicht nur Dich.
  • es Ausnahmemomente gibt, in denen Wärme durchkommt (nach Schlaf, im Urlaub, bei einem kurzen Lachen).
  • er oder sie darunter leidet („Ich will fühlen und kann nicht“).
  • die Veränderung mit der Belastungszeit begann und es davor Nähe gab.
  • er oder sie sich für Deine Gefühle interessiert, auch wenn nur noch wenig Kraft da ist.

Eher grundsätzliche Beziehungsfrage, wenn:

  • Distanz und Unzufriedenheit schon lange vor dem Burnout bestanden.
  • die Gleichgültigkeit nur Dir gegenüber gilt, während andere Beziehungen und Aktivitäten lebendig sind.
  • es klare Aussagen über Wünsche gibt („Ich möchte allein leben“), nicht nur „Ich weiß nicht“.
  • Abwertung, Kontrolle oder Gewalt im Spiel sind.
  • eine andere Beziehung besteht oder angebahnt wurde.

Oft mischt sich beides: Burnout legt vorhandene Risse frei und verstärkt sie. Deshalb ist die ehrlichste Haltung: „Ich weiß es noch nicht, und ich muss es jetzt auch nicht entscheiden.“ Vorher klären lässt sich nur, was sich klären lässt: Behandlung, Entlastung, Gespräche.

Wenn es mehr ist als Burnout

Burnout und Depression überlappen stark. Anhaltende Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, Wertlosigkeitsgefühle, Interessenverlust in allen Lebensbereichen und Todesgedanken gehören eher zu einer Depression und brauchen ärztliche Abklärung. Wenn Du solche Zeichen bemerkst, lies Partner hat Depression und, falls Suizidgedanken im Raum stehen, Suizidgedanken bei Angehörigen. Bei akuter Gefahr: 112.

Wenn es akut ist

  • Lebensgefahr oder konkrete Suizidpläne: Notruf 112. Bleib bei der Person.
  • Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 oder 116 123, kostenlos, rund um die Uhr, auch für Angehörige.
  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117.
  • Info-Telefon Depression: 0800 33 44 533, kostenlos (Mo, Di, Do 13 bis 17 Uhr, Mi, Fr 8:30 bis 12:30 Uhr).

Das Gespräch: Wie ihr über „Liebst Du mich noch?“ sprecht

Die Frage steht im Raum, aber sie im falschen Moment zu stellen, verschlimmert alles. Ein paar Regeln:

  1. Wähle einen ruhigen Zeitpunkt, nicht nach Feierabend oder im Streit. Kündige ihn an: „Ich möchte in Ruhe mit Dir über uns sprechen. Passt Samstagvormittag?“
  2. Beginne mit Deinem Erleben, nicht mit der Anklage. „Mir fehlt Nähe zu Dir und ich habe Angst, dass wir uns verlieren“ ist besser als „Du liebst mich nicht mehr“.
  3. Stelle offene, entlastende Fragen. „Wie fühlt sich das gerade für Dich an, wenn wir uns nah sind?“ „Gibt es Momente, in denen Du Dich mir verbunden fühlst?“ Vermeide Verhöre („Sag endlich, ob Du mich liebst“).
  4. Nimm Antworten ernst und halte sie aus. Wenn er sagt „Ich spüre gerade nichts“, ist das hart. Frage nach: „Meinst Du, es ist der Erschöpfung geschuldet, oder fühlt es sich grundsätzlich anders an?“ Beides ist eine Information.
  5. Vertage die Grundsatzfrage bewusst. „Wir müssen heute nicht entscheiden, ob wir zusammenbleiben. Ich möchte nur, dass wir wissen, wie es dem anderen geht.“ Vereinbart einen Zeitpunkt für das nächste Gespräch.
  6. Beende mit etwas Verbindendem, einer Berührung, Tee, einem Spaziergang, einem „Danke, dass Du mit mir gesprochen hast“.

Sätze, die Betroffenen oft helfen: „Du musst gerade nichts leisten.“ „Ich bleibe, auch wenn es still ist.“ „Wir müssen die Antwort heute nicht kennen.“ Sätze, die eher schaden: „Reiß Dich zusammen.“ „Andere schaffen das auch.“ „Du denkst nur an Dich.“

Nähe neu aufbauen: Kleine Verbindungsmomente

In Burnout-Phasen scheitern große Gesten. Viele Paare erleben Entlastung, wenn sie sehr klein anfangen:

  • Fünf Minuten Kontakt ohne Erwartung. Händchen halten, Rücken streicheln, nebeneinander sitzen.
  • Rituale statt Gespräche. Gemeinsamer Tee am Morgen, ein Spaziergang nach dem Essen, eine feste Gute-Nacht-Geste.
  • Parallele Nähe. Nebeneinander lesen oder Serie schauen: Anwesenheit ohne Anforderung.
  • Körperliche Nähe ohne Sexualität, wenn Lust fehlt. Sprecht offen darüber, dass Sex gerade pausiert und nicht „Ablehnung Deiner Person“ bedeutet, und was Euch trotzdem Nähe gibt.
  • Anerkennung aussprechen. „Danke, dass Du heute aufgestanden bist.“ Das senkt Schamgefühle.
  • Gemeinsame Zukunft in kleinen Stücken. Nicht „Wo sind wir in fünf Jahren?“, sondern „Was wäre am Sonntag schön?“.

Wichtig ist Regelmäßigkeit, nicht Intensität. Und: Es darf scheitern. Wenn ein Versuch abgelehnt wird, ist das kein Misserfolg, sondern Information.

Dein Anteil: Bedürfnisse, Schuld und Erschöpfung

Angehörige von Menschen mit Burnout geraten leicht in eine paradoxe Lage: Sie vermissen Nähe, aber sie dürfen es nicht sagen, weil der andere „es ja schon schwer hat“. Das führt zu Groll, Scham und Einsamkeit. Dagegen helfen vor allem drei Dinge:

  1. Bedürfnisse benennen: „Ich brauche regelmäßig Zeit mit Dir, auch wenn sie kurz ist.“ „Ich brauche, dass Du mir sagst, wenn Du Abstand brauchst, statt zu schweigen.“
  2. Eine zweite Quelle für Nähe: Freundschaften, Familie, Angehörigengruppe, Beratung. Du darfst Dir Wärme außerhalb der Beziehung holen, ohne Verrat.
  3. Grenzen: Du trägst Haushalt, Kinder oder Finanzen nicht unbegrenzt allein. Plane Entlastung, hol Hilfe, verteile Aufgaben neu. Mehr in Burnout beim Partner und Angehörige und eigene Grenzen.

Und wenn Schuldgefühle auftauchen („Ich bin egoistisch“), lies Schuldgefühle beim Nein sagen: Bedürfnisse zu haben ist kein Egoismus.

Die Ursachen nicht überspringen: Was nach der Erholung kommt

Burnout entsteht nicht im Vakuum. Meist stecken Arbeitsüberlastung, Perfektionismus, fehlende Abgrenzung, mangelnde Anerkennung oder ein Umfeld dahinter, in dem Erschöpfung ignoriert wird. Wenn die Beziehung sich erholen soll, braucht es mehr als Ruhe: Ihr solltet gemeinsam anschauen, was sich im Alltag ändern muss, damit es nicht wiederkommt. Dazu können gehören: Arbeitszeit, Verantwortung im Haushalt, Erwartungen aneinander, Umgang mit Geld und Zeit, Schlaf, Pausen. Das ist keine Schuldfrage, sondern eine Planungsfrage. Wie ein Wiedereinstieg im Beruf gelingt, steht in Burnout: Krankschreibung, Dauer und Rückkehr.

NIMM DIR FÜNF MINUTEN

Wann Du Dir die Trennungsfrage ernsthaft stellen darfst

Wenn trotz Erholung, Behandlung und Gesprächen über längere Zeit keine Verbindung entsteht, wenn Du Dich dauerhaft ungesehen, abgewertet oder allein fühlst, oder wenn Du selbst krank wirst, darfst Du die Beziehung hinterfragen. Besonders ernst zu nehmen sind Abwertung, Gewalt, Kontrolle, Untreue und Gleichgültigkeit gegenüber Deiner Belastung. Mehr zu der Entscheidung und einem verantwortungsvollen Vorgehen findest Du im Artikel Partner mit Depression: Trennung oder bleiben?. Gehen ist keine Niederlage, wenn Du Dich zuvor ehrlich gefragt und Hilfe geholt hast.

Hilfe für Euch beide

  • Ärztliche Abklärung und Behandlung für den Partner: Hausarzt, Psychotherapie, ggf. Reha.
  • Paarberatung, wenn beide Kraft dafür haben.
  • Angehörigenberatung und -gruppen für Dich (BApK, Beratungsstellen).
  • Telefonseelsorge (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 oder 116 123), auch für Dich.
  • Coaching für Angehörige, um Deine Rolle und Grenzen zu klären (ersetzt keine Therapie).

Sexualität und körperliche Nähe bei Burnout

Kaum ein Thema ist so schambesetzt wie das Ausbleiben von Lust. Bei Burnout sind Libidoverlust, Erektionsprobleme, Schmerzen oder fehlende Erregung häufig. Ursachen sind Stresshormone, Erschöpfung, Schlafmangel, Medikamente und Scham. Für den Partner fühlt sich das schnell nach persönlicher Ablehnung an: „Findet er mich nicht mehr attraktiv?“

Hilfreich ist ein ehrliches, entlastendes Gespräch:

  • Trennt Lust und Liebe. „Dass wir gerade weniger Sex haben, heißt nicht, dass ich Dich weniger liebe. Ich möchte, dass wir trotzdem nah sind.“
  • Vereinbart eine „Pause ohne Druck“. Sex ist gerade kein Thema, dafür gibt es andere Formen von Nähe: Umarmen, Kuscheln, Massage, Baden, Händchenhalten.
  • Sprecht über Wünsche statt Erwartungen. Was fühlt sich gut an, was nicht? Was möchte jeder ausprobieren, wenn die Kraft zurückkehrt?
  • Holt Euch ärztlichen Rat. Bei anhaltenden Problemen können Hausärztin, Urologe oder Gynäkologin sowie Sexualberatung helfen. Auch Medikamente wie manche Antidepressiva beeinflussen die Lust, das lässt sich ansprechen.
  • Wenn Du Bedürfnisse hast: Sag sie. „Mir fehlt Nähe. Wie können wir das auf eine Weise lösen, die für Dich passt?“ Heimlichkeit oder Vorwürfe schaden beiden.

Viele Paare finden nach der akuten Phase zu einer neuen, oft ehrlicheren Form von Intimität zurück.

Ein Beispiel: Wie ein Gespräch gelingen kann (zusammengesetzte Situation)

Das folgende Beispiel ist keine reale Person, sondern eine zusammengesetzte Alltagssituation, die typische Verläufe zeigt.

Lena (38) und Tom (41) sind seit zwölf Jahren zusammen. Tom ist seit vier Monaten krankgeschrieben, nachdem er im Job zusammengebrochen ist. Er schläft viel, bleibt in sich gekehrt und sagt eines Abends: „Ich spüre gerade nichts. Weder für die Kinder noch für Dich.“ Lena erschrickt und zieht sich zurück. In der Woche darauf schweigen beide. Dann spricht Lena ihn an einem Samstagvormittag an: „Ich habe Angst, dass wir uns verlieren. Ich möchte nicht, dass Du etwas fühlen musst. Ich möchte nur wissen, wie es Dir damit geht.“ Tom antwortet nach langem Schweigen: „Es ist, als wäre alles hinter Glas. Ich schäme mich.“ Lena sagt: „Danke, dass Du mir das sagst. Ich bleibe. Lass uns das nicht heute entscheiden.“

In den folgenden Wochen vereinbaren sie fünf Minuten Nähe am Abend, Tom beginnt eine Therapie, Lena geht in eine Angehörigengruppe. Nach drei Monaten sagt Tom: „Ich merke wieder etwas, wenn Du mich in den Arm nimmst.“ Das ist kein Happy End im Film, aber ein realistischer Weg: kleine Schritte, Behandlung, ehrliche Worte, Geduld und Lenas eigene Unterstützung.

Ein Vier-Wochen-Plan für Euch

  1. Woche 1: Stabilisieren und sortieren. Schlaf schützen, ärztliche Abklärung klären, Alltag vereinfachen, Entscheidungen aussetzen. Ein kurzes Gespräch zum Rahmen: „Wir brauchen jetzt Ruhe. Die Grundsatzfragen verschieben wir bewusst.“
  2. Woche 2: Verbindung in kleinen Dosen. Täglich fünf Minuten Kontakt. Rituale, ein Spaziergang, ein gemeinsamer Tee. Kein Gesprächsdruck.
  3. Woche 3: Das erste ehrliche Gespräch. Mit den Regeln aus dem Abschnitt „Das Gespräch“. Bedürfnisse benennen, Ängste teilen, nächsten Schritt vereinbaren.
  4. Woche 4: Zwischenbilanz. Was hat geholfen? Was nicht? Brauchen wir Paarberatung, Therapie, Reha oder mehr Entlastung? Wie geht es Dir? Plane den nächsten Monat.

Der Plan ist ein Rahmen, kein Programm. Wenn Dein Partner nicht mitmachen kann, setzt Du den Teil um, der in Deiner Hand liegt: Deine Entlastung, Deine Unterstützung, Deine Klarheit.

Wenn Du selbst zweifelst: Deine eigenen Gefühle sortieren

Nicht nur Dein Partner zweifelt. Auch Du fragst Dich vielleicht: „Liebe ich ihn noch?“, „Bin ich noch gern mit ihm zusammen?“, „Warum fühle ich mich so leer?“ Dein Erleben ist genauso real. Erschöpfung, Einsamkeit und Dauerstress dämpfen auch bei Dir Gefühle. Frage Dich:

  • Was vermisse ich konkret (Gespräche, Berührung, gemeinsames Lachen, Verlässlichkeit)?
  • Wann habe ich mich zuletzt mit ihm verbunden gefühlt, und was war da anders?
  • Was würde sich ändern, wenn er gesund wäre, und was nicht?
  • Wo bekomme ich selbst Kraft?

Schreib die Antworten auf. Sie sind kein Urteil, sondern Material für Gespräche mit ihm, mit einer Beratung oder mit einer Freundin.

Fragen aus dem Alltag, die Angehörige häufig stellen

„Soll ich ihm Zeit lassen oder nachfragen?“ Beides, in Dosen. Frag nach dem Befinden, ohne ein bestimmtes Ergebnis zu erwarten, und lass ihn ohne Rechtfertigung zurückweisen. Ein regelmäßiges, kurzes „Wie geht es Dir heute?“ ist besser als seltene große Gespräche.

„Darf ich wütend sein?“ Ja. Wut ist oft das Gefühl hinter Erschöpfung und Hilflosigkeit. Sie sagt: „Ich werde nicht gesehen.“ Wichtig ist, was Du damit tust. Äußere sie ruhig („Ich bin wütend, weil ich mich allein fühle“) statt im Streit, und such zusätzlich Orte, an denen sie Platz hat (Freundin, Sport, Beratung).

„Was, wenn er mich anschreit oder abwertet?“ Reizbarkeit ist bei Burnout häufig. Abwertung und Beschimpfungen sind trotzdem nicht in Ordnung. Sag es klar: „Ich verstehe, dass Du erschöpft bist. Aber ich lasse mich nicht anschreien. Wir sprechen später weiter.“ Wenn es anhält oder zu Drohungen oder Gewalt kommt, hol Hilfe (Hilfetelefon 116 016, Notruf 112).

„Ist es normal, dass ich ihn manchmal nicht mehr ertragen kann?“ Ja. Auch Du bist belastet. Verachtung oder Gleichgültigkeit, die über Wochen bleiben, sind ein Signal, dass Du Entlastung und Klärung brauchst, nicht, dass Du ein schlechter Mensch bist.

„Wie gehe ich mit den Erwartungen von Familie und Freunden um?“ Sag, was Du brauchst. „Wir brauchen gerade Ruhe, danke, dass Ihr nicht nachbohrt.“ Du musst nicht jedem Auskunft geben, und Du entscheidest gemeinsam mit Deinem Partner, wer Bescheid weiß.

„Muss ich seinen Job für ihn regeln?“ Nein. Du kannst unterstützen (zuhören, Formulare), aber Gespräche mit Arbeitgeber, Krankenkasse oder Ärzten liegen bei ihm, solange er dazu in der Lage ist. Wenn nicht, klärt ihr gemeinsam, wer was übernimmt.

Weiterführende Quellen und Anlaufstellen

  • Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention: „Tipps für Angehörige“ und Info-Telefon Depression (0800 33 44 533).
  • BApK, Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen: Beratung, Seelefon (0228 71 00 24 24) und Angehörigengruppen in Deiner Nähe.
  • Telefonseelsorge (0800 111 0 111, 0800 111 0 222, 116 123), Terminservicestelle und ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117.
  • WHO ICD-11: Burn-out als berufsbezogenes Phänomen (QD85), drei Dimensionen: Erschöpfung, Distanz/Zynismus, verringerte berufliche Wirksamkeit.
  • Maslach, C. und Leiter, M. P.: Forschung zu Burnout und emotionaler Erschöpfung (Grundlagen des Konzepts).

Prüfe bei allen Quellen, ob sie aktuell sind. Leitlinien, Telefonzeiten und Regelungen ändern sich.

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Wichtig zu wissen

Dieser Artikel stellt keine Diagnose und ersetzt keine Beratung oder Behandlung. Bei Suizidgedanken, Gewalt oder akuter Gefahr: Notruf 112, Telefonseelsorge 0800 111 0 111, Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen 116 016. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine Diagnose, Beratung oder Behandlung durch Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Coaching und Mentoring behandeln keine Erkrankungen und stellen keine Diagnosen. Wenn Du Dich in einer akuten Krise befindest oder Gedanken hast, Dir etwas anzutun, such Dir bitte sofort Hilfe: Notruf 112, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117 oder Telefonseelsorge (kostenlos, rund um die Uhr) unter 0800 111 0 111.

Häufige Fragen

Kann Burnout dazu führen, dass man den Partner nicht mehr liebt?
Burnout dämpft Gefühle und führt oft zu emotionaler Distanz. Das kann sich wie Liebesverlust anfühlen und ist häufig Erschöpfung. Ob zusätzlich Beziehungsprobleme bestehen, zeigt sich meist erst mit Erholung und offenen Gesprächen.

Warum ist mein Partner mit Burnout so kalt und distanziert?
Emotionale Erschöpfung, Reizüberflutung, Scham und Schutzmechanismen führen zu Rückzug und Abstumpfung. Das richtet sich selten gegen Dich persönlich, auch wenn es sich so anfühlt.

Soll ich meinem Partner mit Burnout Zeit lassen?
Ja, aber nicht grenzenlos und nicht ohne Kontakt. Biete kleine Verbindungsmomente an, besprich Eure Situation in Ruhe und nimm Dir selbst Unterstützung. Zeit allein löst weder Burnout noch Beziehungsfragen.

Wie lange dauert es, bis Gefühle nach Burnout zurückkehren?
Das ist individuell. Viele erleben eine Besserung über Wochen bis Monate, manche länger. Behandlung, Schlaf, Entlastung und Ursachenarbeit verbessern die Aussichten.

Wann sollte ich mich vom Partner mit Burnout trennen?
Wenn Gewalt oder Abwertung im Spiel sind, Du selbst ernsthaft erkrankst oder trotz Behandlung und Bemühungen über lange Zeit keine Verbindung möglich ist. Hol Dir Beratung, bevor Du entscheidest.

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