Abstraktes Bild: Zwei Lichter an einem Scheideweg, ein Pfad führt zusammen, einer auseinander, dazwischen ein ruhiger, heller Raum zum Entscheiden

Für Angehörige

Partner mit Depression: Trennung oder bleiben? Wie Du entscheidest, ohne Dich zu verurteilen

Dein Partner mit Depression zieht sich zurück, will Abstand oder Du kannst nicht mehr? Was Symptom ist, was Beziehung, wie Du entscheidest und wie Du verantwortungsvoll gehst oder bleibst.

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Er sagt, er empfinde nichts mehr für Dich. Sie zieht sich in ein Schweigen zurück, das Du nicht erreichst. Er will „Abstand“, ist abweisend, reagiert gereizt, meldet sich tagelang nicht. Oder Du selbst bist an dem Punkt, an dem Du denkst: Ich kann nicht mehr. Und dann kommt die Frage, die Dich nachts wachhält: Trennung oder bleiben?

Diese Frage ist legitim. Sie ist weder herzlos noch egoistisch. Wer mit einem depressiven Menschen lebt, trägt oft über Monate oder Jahre eine enorme Last, und niemand ist verpflichtet, sich dabei zu verlieren. Gleichzeitig ist Depression ein Zustand, der Gefühle, Wahrnehmung und Entscheidungen verzerrt. Genau das macht die Lage so schwer: Was wirkt wie das Ende der Liebe, kann Symptom sein. Und was Du als „Dauerlast“ erlebst, kann trotzdem ein klares Zeichen sein, dass es so nicht weitergeht.

Dieser Artikel hilft Dir, zu unterscheiden, was Symptom und was Beziehung ist, trifft keine Entscheidung für Dich, gibt Dir aber ein Gerüst, mit dem Du sie verantwortungsvoll treffen kannst, und zeigt, wie Du bleibst oder gehst, ohne Dich oder den anderen zu beschädigen. Er ersetzt keine Beratung oder Therapie, und er wendet sich bewusst an Dich als Angehörige oder Angehörigen.

Kurz gesagt

  • Gefühllosigkeit kann Symptom sein. Bei Depression sind Freude, Nähe und Liebe oft „abgeschaltet“. Das sagt nicht automatisch etwas über die Beziehung.
  • Du darfst gehen. Die Frage nach Trennung ist legitim, besonders bei Gewalt, Dauerabwertung, Sucht ohne Veränderung oder wenn Du selbst erkrankst.
  • Keine Entscheidung im Tief. Weder Dein Partner noch Du solltet in akuten Krisenphasen unumkehrbare Beschlüsse fassen, wenn es sich vermeiden lässt.
  • Prüfe vier Dinge: Behandlung, Verlauf über Zeit, Dein Zustand und wie ihr miteinander umgeht.
  • Gehen kann verantwortungsvoll sein. Mit Ankündigung, Sicherheitsnetz und Hilfe. Bei Suizidgedanken gelten besondere Schritte.

Inhalt dieses Artikels

Symptom oder Beziehung? Was Depression mit Gefühlen macht

Der schmerzhafteste Satz lautet oft: „Ich liebe Dich nicht mehr“ oder „Ich spüre nichts mehr für Dich.“ Wer ihn hört, hört das Ende. Aus fachlicher Sicht ist das jedoch nicht immer so eindeutig.

Zu den Kernsymptomen einer Depression gehören gedrückte Stimmung, Interessenverlust und Freudlosigkeit sowie Antriebsmangel. Viele Betroffene beschreiben außerdem eine emotionale Taubheit: Sie können weder Freude noch Zuneigung empfinden, nicht einmal Trauer. Für Partner fühlt sich das an wie Ablehnung. Für Betroffene fühlt es sich oft wie eine Glaswand an. Sie erleben ihre Gefühle als fern, nicht als weg, und lesen die Leere dann als Beweis, dass die Liebe erloschen ist („Wenn ich Dich liebte, würde ich es spüren“).

Ein weiterer Mechanismus ist die Verzerrung des Denkens: Depressive Menschen bewerten sich selbst, die Zukunft und ihre Umgebung negativer, als es der Realität entspricht. Die Beziehung erscheint dann als Belastung („Ich ziehe Dich runter“), als Fehler oder als aussichtslos. Manche trennen sich in der Depression, weil sie glauben, dem anderen damit etwas Gutes zu tun, und bereuen es später. Auch deshalb raten Fachleute und viele Betroffene dazu, große Lebensentscheidungen nicht in der akuten Phase zu treffen, sofern das möglich ist.

Das heißt nicht, dass alles „nur Depression“ ist. Auch Beziehungen können unabhängig davon bröckeln. Und es heißt auch nicht, dass Du warten musst, bis die Depression verschwunden ist. Es heißt: Bevor Du aus Gefühlen Schlüsse über die Beziehung ziehst, lohnt sich die Frage, welche Gefühle in diesem Zustand verlässlich sind und welche nicht. Eine ausführliche Erklärung, was Depression im Alltag mit Paaren macht, findest Du in Partner hat Depression.

Typische Situationen: „Abstand“, abweisend, meldet sich nicht

Konkrete Verhaltensweisen verunsichern besonders. Einige Beispiele und was dahinterstecken kann:

  • „Ich brauche Abstand.“ Oft ist das ein Schutzimpuls: Wer erschöpft ist, erlebt Nähe als Anforderung („Ich kann Dir nichts geben“). Es kann aber auch ein Hinweis sein, dass die Beziehung für ihn oder sie zur Quelle von Druck geworden ist. Frage nach, was genau belastet (zum Beispiel Erwartungen, Nähe, Gespräche), und biete eine klare, zeitlich begrenzte Form von Abstand an, statt zu klammern.
  • Abweisendes, gereiztes Verhalten. Reizbarkeit ist bei Depression häufig, besonders bei Männern. Sie richtet sich oft gegen die Nächsten, weil dort das Gefühl der Sicherheit am größten ist. Das erklärt, ist aber keine Rechtfertigung für Beleidigungen oder Gewalt (siehe unten).
  • Meldet sich nicht, antwortet nicht. Schon eine Nachricht zu beantworten kann sich wie ein Berg anfühlen. Kurze, unverbindliche Nachrichten („Ich denke an Dich, Du musst nicht antworten“) belasten weniger als Fragen.
  • Zweifel an den eigenen Gefühlen. „Ich weiß nicht, ob ich Dich liebe.“ Das ist häufig, tut weh und ist nicht zuverlässig. Es hilft, die Frage zu vertagen („Ich glaube Dir, dass Du es jetzt nicht spürst. Lass uns die Frage auf später verschieben.“).
  • Rückzug aus gemeinsamen Dingen. Hobbys, Freunde, Sex, Gespräche: alles verengt sich. Plane kleine, unverbindliche Berührungspunkte statt großer Programme.
  • Fremdgehen oder Flucht in Ablenkung. Manche suchen im Kontakt zu anderen kurzzeitig Erleichterung. Das ist keine Entschuldigung und darf Deine Grenzen berühren. Es ist aber ein Hinweis auf Not.

Bei alldem gilt: Verstehen und Aushalten sind nicht dasselbe. Du darfst verstehen, warum es passiert, und trotzdem sagen: „Das kann ich auf Dauer nicht tragen.“

„Ich kann nicht mehr“: Was Deine Erschöpfung bedeutet

Viele Angehörige erleben irgendwann, dass ihre eigene Kraft aufgebraucht ist. Typische Zeichen: Schlafstörungen, ständige Anspannung, Gereiztheit, Rückzug von Freunden, körperliche Beschwerden, Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle oder das Gefühl, selbst nicht mehr zu spüren, was Du willst. Auch bei Angehörigen können sich Angst und depressive Symptome entwickeln.

Dieses „Ich kann nicht mehr“ ist eine Information, kein Urteil über Dich. Es heißt nicht automatisch „trennen“. Es heißt: So, wie es gerade ist, ist es für Dich nicht tragbar. Die Lösung kann Trennung sein. Sie kann aber auch heißen: mehr Entlastung, klare Grenzen, Hilfe von außen, Behandlung für den Partner, Paarberatung oder eine Pause. Bevor Du entscheidest, sortiere, was Dich genau überfordert:

  • die Dauer (kein Ende in Sicht),
  • die Menge (Du trägst Haushalt, Kinder, Geld, Stimmung allein),
  • die Qualität (Abwertung, Vorwürfe, Gewalt),
  • die Angst (Sorge um Suizid, Dauerwachsamkeit),
  • die Einsamkeit (niemand weiß Bescheid, keine Hilfe),
  • die Hoffnungslosigkeit (nichts verändert sich, keine Behandlung).

Jede dieser Ebenen verlangt eine andere Antwort. Was Du für Deine Kraft tun kannst, steht in Angehörige und eigene Grenzen. Wenn Du merkst, dass Du selbst depressive Symptome entwickelst, sprich mit Deiner Hausarztpraxis. Das ist kein Luxus.

NIMM DIR FÜNF MINUTEN

Vier Fragen, die Dir bei der Entscheidung helfen

Es gibt keine Formel, aber diese vier Fragen ordnen das Chaos:

  1. Wird behandelt? Gibt es Bereitschaft, etwas zu verändern? Depression ist behandelbar. Es ist ein großer Unterschied, ob jemand krank ist und Hilfe annimmt oder ob seit Monaten oder Jahren nichts passiert, jede Hilfe abgelehnt wird und Du die Folgen trägst. Lies dazu auch Mein Partner will keine Hilfe.
  2. Wie war das Bild vor der Erkrankung, und wie ist der Verlauf? Gab es früher Nähe, Respekt, Verlässlichkeit? Gibt es bessere Phasen, in denen die Verbindung spürbar ist? Oder war die Beziehung schon vorher von Abwertung, Kontrolle oder Gleichgültigkeit geprägt? Depression kann Probleme verstärken, sie erschafft nicht alles.
  3. Wie geht es Dir, und was brauchst Du, um gesund zu bleiben? Wenn Du körperlich oder psychisch erkrankst, ist das ein ernstes Kriterium. Frage Dich: Könnte ich das, was jetzt ist, noch ein Jahr tragen, mit Unterstützung? Was müsste sich konkret ändern?
  4. Wie gehen wir miteinander um? Gibt es Respekt, auch im Streit? Oder gibt es Beleidigungen, Drohungen, Gewalt, Kontrolle? Das ist ein Ausschlusskriterium, das nichts mit Depression entschuldigt wird.

Schreib die Antworten auf, am besten getrennt nach „Fakten“ („Er ist seit 8 Monaten in Behandlung“) und „Gefühlen“ („Ich habe Angst, allein zu sein“). Das macht Muster sichtbar, die im Kopf verschwimmen.

Rote Linien: Wann Bleiben Dich gefährdet

Es gibt Situationen, in denen Du Dich nicht mit Verständnis oder Geduld aufhalten solltest, sondern Schutz suchen darfst:

  • Gewalt oder Drohungen gegen Dich, Kinder oder Tiere. Depression erklärt manches, rechtfertigt keine Gewalt. Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 116 016 (kostenlos, rund um die Uhr, auch für Männer-Fälle gibt es Beratungsangebote wie das Hilfetelefon „Gewalt an Männern“, 0800 123 99 00). Bei akuter Gefahr: 112.
  • Anhaltende Abwertung und Demütigung, die Dein Selbstwertgefühl zerstören.
  • Selbstgefährdung der Kinder durch Vernachlässigung, die nicht abgefangen wird.
  • Wenn Du selbst körperlich oder psychisch ernsthaft erkrankst und die Lage sich nicht verändert.
  • Sucht, die nicht behandelt wird und den Alltag bestimmt.

In solchen Fällen ist Gehen oder räumliche Trennung kein Verrat, sondern Selbstschutz. Hol Dir parallel Beratung, etwa bei Frauenhäusern, Beratungsstellen, Familienberatung oder Anwältinnen und Anwälten für Familienrecht.

Wenn Du bleiben möchtest: Wie Bleiben gesund bleibt

Bleiben kann eine gute und bewusste Entscheidung sein. Damit sie Dich nicht auffrisst, helfen einige Leitplanken:

  • Bleiben auf Zeit und mit Überprüfung. Vereinbare mit Dir selbst, nach drei oder sechs Monaten ehrlich Bilanz zu ziehen: Hat sich etwas verändert? Wie geht es mir? Das nimmt dem Gefühl, „für immer“ gefangen zu sein, die Schwere.
  • Klare Aufgabenverteilung. Was übernimmst Du vorübergehend, was nicht? Wer übernimmt Verantwortung für Behandlung und Medikamente (nicht Du)?
  • Eigene Räume. Eigene Termine, Freunde, Bewegung, Zeit allein. Das ist Basisversorgung.
  • Hilfe von außen: Angehörigengruppe, Beratung, eigene Therapie, Paarberatung, sobald Dein Partner dazu in der Lage ist.
  • Kleine Pflege der Beziehung. Zehn Minuten Zuwendung am Tag, ein gemeinsamer Spaziergang, ein „Danke“. Nicht, um die Depression zu heilen, sondern um die Verbindung nicht ganz abreißen zu lassen.
  • Ehrlichkeit statt Märtyrertum. Sprich über Deine Belastung, ruhig, ohne Vorwurf: „Ich liebe Dich, und ich merke, dass ich an meine Grenze komme.“

Viele Paare berichten, dass sie die Depression am Ende gemeinsam durchgestanden haben und die Beziehung dadurch ehrlicher wurde. Das ist kein Automatismus, aber es ist ein realistischer Weg, wenn Behandlung, Unterstützung und Grenzen zusammenkommen.

Wenn Du gehen möchtest: Verantwortungsvoll, nicht überstürzt

Wenn Du zu dem Schluss kommst, dass Du gehen musst oder willst, darfst Du das, auch wenn Dein Partner depressiv ist. Das ist keine Schuld. Du kannst es aber so gestalten, dass es Dich und ihn so wenig wie nötig verletzt:

  1. Prüfe Deinen Zeitpunkt. Nicht im akuten Tief, nicht nach einem Streit, nicht in der Nacht. Wenn möglich, in einer relativ stabilen Phase und mit Vorbereitung.
  2. Hol Dir vorher Beratung. Familienberatung, Anwalt oder Anwältin, Beratungsstelle: Wohnung, Geld, Kinder, Unterhalt, Krankenversicherung. Das nimmt Panik.
  3. Sag es klar und freundlich, nicht als Urteil. „Ich merke, dass ich diese Beziehung so nicht weiterführen kann. Das ist meine Entscheidung und hat mit Deiner Krankheit zu tun, aber nicht nur. Ich möchte, dass Du Hilfe hast.“ Vermeide Schuldzuweisungen („Du hast mich kaputtgemacht“).
  4. Informiere Vertrauenspersonen, Familie, Freunde, behandelnde Ärztinnen oder Ärzte (soweit Dein Partner einwilligt), damit er oder sie nicht allein ist.
  5. Plane Sicherheit. Wenn Dein Partner in der Vergangenheit von Suizid gesprochen hat oder Du Angst hast: Sprich das Thema offen an, stelle sicher, dass Kontakte da sind, und kenne die Notrufnummern (siehe unten und Suizidgedanken bei Angehörigen).
  6. Bleib bei der Entscheidung, aber nicht bei der Härte. Du kannst fürsorglich sein, ohne zurückzurudern. „Ich gehe, und ich bleibe erreichbar für Organisatorisches“ ist ein Rahmen.
  7. Kümmere Dich um Dich. Trennung ist Trauer. Auch wenn Du sie gewollt hast, wirst Du Schuld, Erleichterung, Wut und Leere gleichzeitig spüren. Das ist normal.

Einen Menschen mit Depression zu verlassen, macht Dich nicht verantwortlich für seinen Verlauf. Du hast ihn nicht krank gemacht, und Du kannst ihn nicht allein heilen. Du kannst nur entscheiden, was Du leisten kannst.

Wichtig: Wenn Suizid im Raum steht

Trennungsankündigungen, besonders bei Menschen in einer Depression, können Krisen auslösen. Wenn Dein Partner schon einmal von Suizid gesprochen hat oder Du Warnzeichen siehst (Hoffnungslosigkeit, Verabschiedungen, konkrete Pläne), gilt: Nimm es ernst, frag direkt nach, hol Hilfe. Du bist nicht schuld, wenn jemand sich das Leben nimmt, und Du bist auch nicht verpflichtet, in einer Beziehung zu bleiben, um das zu verhindern. Aber Du darfst und sollst Hilfe holen und Sicherheit herstellen. Ausführlich: Suizidgedanken bei Angehörigen.

Wenn es akut ist

  • Lebensgefahr oder konkrete Suizidpläne: Notruf 112. Bleib bei der Person.
  • Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 oder 116 123, kostenlos, rund um die Uhr, auch für Angehörige.
  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117.
  • Info-Telefon Depression: 0800 33 44 533, kostenlos (Mo, Di, Do 13 bis 17 Uhr, Mi, Fr 8:30 bis 12:30 Uhr).

Wenn Dein Partner geht: Was Du tun kannst

Manchmal bist Du nicht die Person, die entscheidet. Dein Partner trennt sich, während er in einer Depression steckt. Das ist besonders schmerzhaft, weil die Begründungen („Es hat nichts mit Dir zu tun“) schwer zu glauben sind. Was dann zählt:

  • Verstehe, dass die Entscheidung oft aus der Krankheit kommt, ohne daraus eine Garantie auf Rückkehr zu machen. Niemand kann vorhersagen, ob und wann jemand zurückkommt.
  • Dräng nicht, klammere nicht. Ein ruhiges „Ich akzeptiere Deine Entscheidung. Wenn Du reden möchtest, bin ich da“ ist besser als Dauernachrichten.
  • Warte nicht auf ihn. Lebe Dein Leben weiter, soweit es geht. Hoffnung ist erlaubt, Stillstand schadet Dir.
  • Such Unterstützung für Deine Trauer, bei Freunden, Beratung, Gruppen. Mehr zu Verlust und Neuorientierung findest Du in Wenn das Leben nicht mehr dasselbe ist.
  • Sorge für klare Absprachen, wenn Kinder, Wohnung oder Finanzen betroffen sind. Beratung hilft.

Paarberatung, Therapie, Coaching: Was wann passt

Viele Paare fragen sich, welche Form von Hilfe die richtige ist:

  • Psychotherapie oder ärztliche Behandlung für den depressiven Partner: Grundlage bei Depression. Ohne sie bleibt jede Beziehungsarbeit begrenzt.
  • Paartherapie oder Paarberatung: sinnvoll, wenn die Depression schon einigermaßen behandelt ist und beide Gespräche aushalten. Sie macht Muster sichtbar und schafft eine Sprache.
  • Angehörigengruppen und Beratung für Dich allein: hilfreich in jeder Phase, auch wenn Dein Partner keine Hilfe möchte (BApK, Beratungsstellen, Selbsthilfe).
  • Coaching für Angehörige: Es unterstützt Dich dabei, Deine Rolle, Deine Grenzen und Deine Entscheidung zu klären. Es ersetzt keine Therapie und behandelt nicht die erkrankte Person.

Nach der Entscheidung: Was Du Dir erlauben darfst

Egal, wie Du entscheidest: Du darfst Dir erlauben, widersprüchlich zu fühlen. Du darfst erleichtert und traurig sein. Du darfst Dich fragen, ob es richtig war. Du darfst Hilfe in Anspruch nehmen, auch Monate später. Entscheidungen in Beziehungen sind selten sauber. Sie sind ein Versuch, mit dem Wissen und der Kraft von heute das Beste zu tun. Das reicht.

Kinder: Was sie brauchen, ob ihr bleibt oder geht

Wenn Kinder im Haushalt leben, wiegt die Entscheidung doppelt. Kinder spüren Spannungen, Rückzug und Stimmungen sehr genau, auch wenn niemand darüber spricht. Sie brauchen keine perfekte Familie, aber Verlässlichkeit, Ehrlichkeit und das Gefühl, nicht schuld zu sein.

  • Bleibt ihr zusammen: Erkläre altersgerecht, was los ist („Papa ist krank. Das ist eine Krankheit der Seele. Er bekommt Hilfe.“). Halte Rituale und Alltag stabil. Gib Kindern eigene Ansprechpersonen (Großeltern, Lehrerin, Beratungsstelle).
  • Geht ihr auseinander: Sag es gemeinsam, wenn möglich, ruhig und ohne Schuldzuweisung. Betone: „Wir haben Euch beide lieb. Das ist nicht Eure Schuld.“ Organisiere Kontakt zum erkrankten Elternteil verlässlich und der Situation angemessen. Familienberatungsstellen unterstützen dabei kostenlos oder günstig.
  • Warnsignale bei Kindern: Rückzug, Schulprobleme, Bauchschmerzen, Wut, Klammern, Rückfall in frühere Entwicklungsstufen. Sie sind ein Anlass, Unterstützung zu suchen (Kinderärztin, Schulpsychologie, Erziehungsberatung).

Du musst nicht allein entscheiden, was das Beste für die Kinder ist. Eine Beratung hilft, die Situation realistisch einzuschätzen.

Praktische Fragen, die oft vergessen werden

Neben den Gefühlen stehen sehr konkrete Dinge an, die Entscheidungen beeinflussen. Kläre sie früh, am besten mit Beratung:

  • Wohnen: Wer wohnt wo? Wer steht im Mietvertrag? Gibt es Übergangslösungen (Familie, Freunde, Pension, möblierte Wohnung)?
  • Geld: Gemeinsame Konten, Kredite, Unterhalt, Krankengeld und Erwerbsfähigkeit. Beratungsstellen, Schuldnerberatung und Anwältinnen und Anwälte für Familienrecht helfen.
  • Krankenversicherung und Behandlung: Wer ist wo versichert? Welche Leistungen stehen zu? Ein Wechsel kann Behandlung unterbrechen.
  • Betreuung und Vorsorge: Wer kann Entscheidungen treffen, wenn Dein Partner in einer Krise nicht entscheidungsfähig ist? Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und ggf. rechtliche Betreuung sind Themen für Beratung.
  • Dein Netz: Wer unterstützt Dich beim Umzug, bei Kindern, nach der Trennung?

Das ist kein Plan für den Ernstfall, sondern Sicherheit. Wer gut vorbereitet ist, entscheidet ruhiger.

Weiterführende Quellen und Anlaufstellen

  • Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention: „Tipps für Angehörige“ und Info-Telefon Depression (0800 33 44 533).
  • BApK, Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen: Beratung, Seelefon (0228 71 00 24 24) und Angehörigengruppen in Deiner Nähe.
  • Telefonseelsorge (0800 111 0 111, 0800 111 0 222, 116 123), Terminservicestelle und ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117.
  • Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression (AWMF): Symptome, Behandlung und Einbeziehung von Angehörigen.
  • Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 116 016, kostenlos, rund um die Uhr. Hilfetelefon „Gewalt an Männern“: 0800 123 99 00.

Prüfe bei allen Quellen, ob sie aktuell sind. Leitlinien, Telefonzeiten und Regelungen ändern sich.

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Wie wir bei CoGether begleiten

Die Frage „Bleiben oder gehen?“ lässt sich selten allein im Kopf beantworten, besonders nicht, wenn Schuld, Angst und Liebe gleichzeitig da sind.

Im kostenlosen Erstgespräch (etwa 20 Minuten, online per Video, ohne Verkaufsdruck) geht es um Dich: Wie viel trägst Du gerade? Wo sind Deine Grenzen? Was brauchst Du, damit Du Dich nicht verlierst? Wir behandeln die erkrankte Person nicht, stellen keine Diagnosen und sprechen nicht über sie, sondern begleiten Dich in Deiner Rolle als Angehörige oder Angehöriger. Wenn Therapie, Arzt oder Klinik der richtige Weg sind, sagen wir Dir das offen.

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Wenn Du erst einmal für Dich sortieren möchtest: Der Selbstcheck dauert zwei Minuten, braucht keine Anmeldung und speichert nichts.

Wichtig zu wissen

Dieser Artikel ersetzt keine Beratung, Therapie oder rechtliche Auskunft. Bei Gewalt, Bedrohung oder Suizidgefahr: Notruf 112, Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen 116 016, Telefonseelsorge 0800 111 0 111. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine Diagnose, Beratung oder Behandlung durch Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Coaching und Mentoring behandeln keine Erkrankungen und stellen keine Diagnosen. Wenn Du Dich in einer akuten Krise befindest oder Gedanken hast, Dir etwas anzutun, such Dir bitte sofort Hilfe: Notruf 112, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117 oder Telefonseelsorge (kostenlos, rund um die Uhr) unter 0800 111 0 111.

Häufige Fragen

Soll ich mich von meinem depressiven Partner trennen?
Das kannst nur Du entscheiden. Prüfe, ob Behandlung stattfindet, wie der Verlauf ist, wie es Dir geht und wie ihr miteinander umgeht. Bei Gewalt, dauerhafter Abwertung oder eigener Erkrankung ist Trennung oder Abstand legitim.

Warum sagt mein depressiver Partner, er liebt mich nicht mehr?
Bei Depression kann emotionale Taubheit auftreten: Gefühle sind abgeschwächt oder nicht zugänglich. Betroffene deuten das oft als Ende der Liebe. Das muss nicht stimmen, sagt aber auch nichts über die Zukunft. Entscheidungen sollten nicht allein darauf beruhen.

Was tun, wenn mein Partner Abstand will?
Frag ruhig nach, was belastet, und biete einen klaren, zeitlich begrenzten Rahmen an. Dräng nicht, bleib erreichbar und sorge für Dich. Bei Suizidgedanken: ernst nehmen und Hilfe holen.

Darf ich gehen, wenn mein Partner depressiv ist?
Ja. Eine Depression verpflichtet Dich nicht, Dich aufzuopfern. Wichtig ist, dass Du die Trennung verantwortungsvoll gestaltest, Dir Beratung holst und bei Suizidgefahr Hilfe sicherstellst.

Kommt mein Partner nach einer Trennung wegen Depression zurück?
Das lässt sich nicht vorhersagen. Manche kehren zurück, andere nicht. Plane Dein Leben nicht allein auf eine Rückkehr, und such Unterstützung für Deine eigene Verarbeitung.

Wo bekomme ich Hilfe als Angehörige?
Beim BApK (Seelefon 0228 71 00 24 24), in Angehörigengruppen, bei Beratungsstellen und der Telefonseelsorge (0800 111 0 111). Bei CoGether im kostenlosen Erstgespräch für Angehörige.

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