Abstraktes Bild: Ein Ring aus Lichtpunkten, der von hell zu schwach verläuft, Sinnbild für die Phasen eines Burnouts

Neurodivergenz & Psyche

Burnout-Phasen und Test: Wo stehe ich und was ist der nächste Schritt?

Burnout-Phasen im Überblick, ein ehrlicher Selbstcheck und konkrete nächste Schritte für jede Stufe, von ersten Warnzeichen bis tiefer Erschöpfung.

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Selten kommt ein Burnout über Nacht. Meist ist es ein schleichender Weg: erst mehr Einsatz, dann weniger Freude, irgendwann Erschöpfung, die sich nicht mehr wegschlafen lässt. Viele merken erst spät, wo sie stehen. Dann tauchen Fragen auf: Ist das schon Burnout? In welcher Phase bin ich? Was kann ich jetzt tun? Und wie viel Zeit habe ich? Dieser Artikel gibt Dir Orientierung. Du bekommst einen Überblick über Phasenmodelle, die Fachleute und die Beratungspraxis nutzen, eine Checkliste, die Dir hilft, Deine Lage ehrlich einzuschätzen, Hinweise zu Selbsttests und was sie leisten, und Schritte für jede Stufe. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose. Wenn Du dich dauerhaft erschöpft fühlst, lass dich bitte ärztlich abklären.

Kurz gesagt

  • Gibt es feste Burnout-Phasen? Es gibt Modelle (zum Beispiel mit 12 Phasen oder drei Kernmerkmalen), die den Verlauf beschreiben. Sie sind Orientierung, kein Fahrplan; Verläufe sind individuell.
  • Ist Burnout eine Diagnose? Die WHO beschreibt Burnout als arbeitsbezogenes Phänomen, nicht als eigene Krankheit. Ärztlich werden meist Erschöpfungsdepression, Anpassungsstörung oder andere Diagnosen gestellt.
  • Wann ist es ernst? Wenn Erschöpfung monatelang anhält, Schlaf nicht mehr erholt, Du Dich zurückziehst, Dich nichts mehr freut oder du an Suizid denkst: bitte ärztliche Hilfe.
  • Was hilft? Früh handeln: Belastung senken, Grenzen setzen, Erholung ernst nehmen, ärztlich abklären lassen.

Inhalt dieses Artikels

Was Burnout ist und was nicht

Der Begriff „Burnout“ stammt aus den 1970er-Jahren und beschreibt einen Zustand tiefer Erschöpfung nach lang anhaltender Überlastung, ursprünglich vor allem im Zusammenhang mit helfenden Berufen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Burnout in der Klassifikation ICD-11 als berufsbezogenes Phänomen, das aus chronischem Arbeitsstress entsteht, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Es ist dort keine eigenständige Krankheit. Drei Dimensionen werden genannt: Gefühle von Energiemangel oder Erschöpfung, wachsende mentale Distanz oder negative Einstellung zur Arbeit (Zynismus) und verminderte berufliche Leistungsfähigkeit. In Deutschland wird Burnout in der ärztlichen Praxis oft als Zusatzcode (Ausgebranntsein) erfasst, die eigentliche Diagnose lautet dann zum Beispiel Depression, Anpassungsstörung oder Erschöpfungssyndrom.

Das heißt nicht, dass es „nur“ ein Modewort ist. Der Zustand ist real und kann schwer sein. Er unterscheidet sich von normalem Stress dadurch, dass Erholung nicht mehr genügt. Mehr zu Anzeichen und Ursachen findest Du in Burnout erkennen.

Phasenmodelle im Überblick

Das Zwölf-Phasen-Modell

Das bekannteste Modell stammt von den Psychologen Herbert Freudenberger und Gail North. Es beschreibt zwölf Stufen, die nicht immer in dieser Reihenfolge oder vollständig durchlaufen werden:

  1. Zwang, sich zu beweisen: Übermäßiger Ehrgeiz, Anspruch, unentbehrlich zu sein.
  2. Verstärkter Einsatz: Alles selbst machen, schwer delegieren.
  3. Vernachlässigung eigener Bedürfnisse: Schlaf, Essen, Freunde, Hobbys kommen zu kurz.
  4. Verdrängung von Konflikten: Erste Anzeichen werden weggeschoben.
  5. Umdeutung von Werten: Alles dreht sich um Arbeit, Freunde und Familie verlieren an Wert.
  6. Verleugnung von Problemen: Zynismus, Intoleranz, Schuld bei anderen.
  7. Rückzug: Soziale Kontakte schwinden, Alkohol oder andere Mittel nehmen zu.
  8. Deutliche Verhaltensänderungen: Andere merken, dass Du verändert bist.
  9. Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit: Man funktioniert wie ein Roboter.
  10. Innere Leere: Ängste, Suchtverhalten, Aktionismus.
  11. Depression: Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung, Sinnverlust.
  12. Völlige Erschöpfung: Körperlicher und seelischer Zusammenbruch, Suizidgedanken möglich.

Drei- oder Vier-Phasen-Sicht

Im Alltag fassen viele den Verlauf einfacher zusammen: Phase 1: Warnzeichen (Überengagement, Müdigkeit, Gereiztheit), Phase 2: Distanz (Zynismus, Rückzug, Leistungsabfall), Phase 3: Erschöpfung (körperlich und seelisch), Phase 4: Zusammenbruch (Arbeitsunfähigkeit, depressive Symptome). Diese Einteilung hilft Dir, grob zu verorten, wo Du stehst.

Ein Hinweis: Wissenschaftlich sind die Phasenmodelle umstritten und nicht für Diagnosen gedacht. Sie sind Landkarten, keine Messgeräte.

Checkliste: Wo stehe ich?

Nimm Dir fünf Minuten und beantworte die folgenden Aussagen ehrlich für die letzten Monate. Zähle, wie viele zutreffen.

Frühe Warnzeichen

  • Ich arbeite regelmäßig mehr, als ich will, und fühle mich unentbehrlich.
  • Ich habe kaum noch Zeit für Freunde, Sport oder Hobbys.
  • Ich bin häufiger gereizt oder ungeduldig als früher.
  • Ich schlafe schlechter oder wache nachts auf und grüble.

Mittlere Warnzeichen

  • Ich bin morgens schon erschöpft, auch nach dem Wochenende.
  • Meine Arbeit fühlt sich sinnlos an oder ich bin zynisch geworden.
  • Ich schaffe weniger als früher, obwohl ich mich mehr anstrenge.
  • Ich habe oft Kopf-, Rücken- oder Magenbeschwerden.
  • Ich ziehe mich zurück und lehne Einladungen ab.

Ernste Warnzeichen

  • Ich fühle mich leer oder innerlich taub.
  • Ich kann mich kaum noch konzentrieren oder Entscheidungen treffen.
  • Ich weine schnell oder gar nicht mehr.
  • Ich denke daran, alles hinzuwerfen oder zu verschwinden.
  • Ich habe Gedanken, mir etwas anzutun.

Auswertung: Treffen Aussagen aus den frühen Warnzeichen zu, ist jetzt eine gute Zeit zu handeln. Treffen mehrere der mittleren zu, sprich zeitnah mit Deiner Hausärztin oder Deinem Hausarzt. Treffen ernste Warnzeichen zu, such bitte rasch ärztliche Hilfe. Bei Suizidgedanken: Notruf 112, 116 117 oder Telefonseelsorge 0800 111 0 111. Die Checkliste ist keine Diagnose.

Burnout, Depression, Erschöpfung, Stress: Ein Vergleich

  • Stress: Kurzfristige Anspannung. Erholung wirkt, Energie kehrt zurück.
  • Erschöpfung: Müdigkeit nach Belastung, die sich mit Ruhe bessert.
  • Burnout: Anhaltende Erschöpfung, Zynismus und Leistungsabfall, meist stark arbeitsbezogen. Erholung allein reicht nicht.
  • Depression: Anhaltende gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit und Antriebsmangel in vielen Lebensbereichen, oft mit Schuldgefühlen und Suizidgedanken.
  • Angststörung: Anhaltende Sorgen, Anspannung, körperliche Angstzeichen, Vermeidung.

Die Übergänge sind fließend, und die Zustände können sich überlagern. Ob zusätzlich eine behandlungsbedürftige Depression vorliegt, klärt eine ärztliche Untersuchung. Das ist wichtig, weil sich die Behandlung unterscheidet.

Burn-on, stiller Burnout und Vorstufen

Neben dem klassischen Burnout sprechen Fachleute und Medien von Zuständen davor. Als Burn-on wird oft ein Zustand beschrieben, in dem Menschen trotz anhaltender Erschöpfung weiter funktionieren: Sie arbeiten, lächeln, liefern, leiden aber unter Daueranspannung, Schlafproblemen, Gereiztheit und innerer Leere. Von einem stillen Burnout ist die Rede, wenn die Erschöpfung nach außen kaum auffällt, weil Betroffene ihre Leistung halten und den Zustand verbergen. Diese Begriffe sind keine offiziellen Diagnosen. Sie beschreiben, dass der Weg in die Erschöpfung lange unauffällig sein kann. Warnsignale: Du brauchst immer mehr Anstrengung für dasselbe Ergebnis, Pausen erholen nicht mehr, Freude und Neugier schwinden, Du reagierst auf Kleinigkeiten gereizt, und körperliche Beschwerden häufen sich. Ein Abgleich mit Versteckte Depression kann sinnvoll sein.

Burnout-Tests: Was sie leisten

Im Netz findest Du viele Burnout-Tests, etwa von Kliniken, Krankenkassen und Gesundheitsportalen. Bekannte Instrumente in der Fachwelt sind zum Beispiel das Maslach Burnout Inventory (MBI) oder das Copenhagen Burnout Inventory (CBI). Online-Versionen sind meist vereinfacht. Sie können helfen, Deine Situation zu sortieren und ein Gespräch vorzubereiten. Sie können nicht:

  • eine Diagnose stellen,
  • zwischen Burnout, Depression, Angststörung, Schlafstörung oder körperlicher Krankheit unterscheiden,
  • Deine Arbeitssituation beurteilen.

Nutze Tests als Anstoß und nicht als Urteil. Ein beunruhigendes Ergebnis ist ein Grund, mit einer Fachperson zu sprechen. Ein beruhigendes Ergebnis ist keine Garantie, wenn Du dich dauerhaft schlecht fühlst.

Phase 1, Warnzeichen: Jetzt gegensteuern

Wenn Du früh merkst, dass etwas kippt, hast Du die meisten Optionen. Bewährte Schritte:

  • Arbeitszeit begrenzen. Definiere ein Ende des Arbeitstags und halte es an einigen Tagen bewusst ein.
  • Pausen ernst nehmen: Mittagspause, kurze Gänge, Urlaub wirklich nutzen.
  • Priorisieren und delegieren: Was ist wirklich wichtig? Was kann jemand anders tun?
  • Nein sagen üben: Grenzen setzen lernen und People Pleasing ablegen zeigen, wie.
  • Körper stärken: Schlaf, Bewegung, Essen, Zeit draußen.
  • Soziale Kontakte pflegen: Mit einem Menschen sprechen, dem Du vertraust.

Phase 2, Distanz und Zynismus: Ursachen anschauen

Wenn Zynismus und Rückzug zunehmen, reicht Erholung allein oft nicht. Dann lohnt der Blick auf die Ursachen: zu hohe Anforderungen, zu wenig Kontrolle, fehlende Anerkennung, Konflikte, Werte, die nicht zu Deiner Arbeit passen. Hilfreich sind:

  • Gespräch mit Vorgesetzten oder Betriebsrat, um Aufgaben, Fristen oder Erwartungen zu klären.
  • Betriebsärztliche oder betriebliche Beratung, falls vorhanden (Employee Assistance Program, Sozialberatung).
  • Ärztliche Abklärung, um körperliche Ursachen und depressive Symptome zu erkennen.
  • Coaching oder Beratung, um Muster wie Perfektionismus, Kontrollbedürfnis und Antreiber zu verstehen (Muster erkennen und verändern, Selbstsabotage verstehen).
  • Realistische Ziele: Was kann ich in den nächsten Wochen verändern?

Phase 3, Erschöpfung: Ärztliche Hilfe suchen

Wenn Du dauerhaft erschöpft bist, schlecht schläfst, Dich nichts mehr freut und körperliche Beschwerden zunehmen, gehört das in ärztliche Hände. Die Hausärztin oder der Hausarzt kann körperliche Ursachen prüfen, eine Krankschreibung ausstellen und an Fachleute überweisen. Wichtig: Warte nicht auf den Zusammenbruch. Eine kurze Auszeit früh ist leichter als eine lange spät. Mehr zu Krankschreibung, Dauer, Reha und Rückkehr in Burnout: Krankschreibung, Dauer und Rückkehr. Hilfreiche Bausteine sind Psychotherapie, bei Bedarf Medikamente, Entlastung am Arbeitsplatz und Erholung in einem Rhythmus, den Du aushalten kannst.

Phase 4, Zusammenbruch: Sicherheit zuerst

Wenn gar nichts mehr geht, Du nicht aus dem Bett kommst, panisch bist oder an Suizid denkst, ist das ein medizinischer Notfall im Sinne von: Du brauchst jetzt Unterstützung. Wende Dich an den Notruf 112, den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 oder die Telefonseelsorge 0800 111 0 111. In schweren Fällen ist eine stationäre oder teilstationäre Behandlung sinnvoll. Du hast nicht versagt. Dein System hat die Notbremse gezogen. Lass Dir helfen.

Warum es so viele erwischt: Typische Ursachen

Burnout hat selten einen einzigen Grund. Zusammen wirken meist: Arbeitsbedingungen (Dauerstress, Zeitdruck, Unsicherheit, wenig Einfluss, unklare Rollen, Konflikte), persönliche Muster (Perfektionismus, Helfersyndrom, Schwierigkeiten, Nein zu sagen, hohe Erwartung an sich selbst) und Lebensumstände (Pflege, Kinder, Trennung, Geldsorgen). Besonders gefährdet sind Menschen, die sich stark über Leistung definieren, in helfenden Berufen arbeiten oder Verantwortung für viele tragen. Wer ADHS hat, kann durch ständiges Kompensieren ebenfalls schneller erschöpfen (Habe ich ADHS?). Wichtig ist: Es liegt nicht an mangelnder Belastbarkeit. Es entsteht, wenn Anforderungen dauerhaft die Ressourcen übersteigen.

Wie verbreitet ist Burnout, und wen trifft es?

Auswertungen von Krankenkassen zeigen, dass Krankschreibungen mit der Zusatzangabe Burnout in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich zugenommen haben, auch wenn sie im Vergleich zu anderen psychischen Diagnosen eher selten sind. Frauen sind in diesen Statistiken häufiger vertreten als Männer. Besonders betroffen sind Berufsgruppen mit hoher emotionaler und zeitlicher Belastung: Pflege und Gesundheitswesen, Erziehung, Sozialarbeit, aber auch Führungskräfte und Selbstständige. Die Zahlen hängen von Diagnosepraxis und Kodierung ab und sagen nichts über Deinen Einzelfall. Wichtig ist: Es trifft nicht nur „Schwache“. Häufig trifft es Engagierte, Verlässliche und Gewissenhafte, die lange durchhalten.

Erholung, die wirklich wirkt

Wenn Du in Phase 2 oder 3 bist, hilft mehr als ein langes Wochenende. Erholung hat vier Ebenen:

Erwarte keine schnelle Besserung. Erholung braucht oft Wochen bis Monate, und Rückschläge gehören dazu.

Kann man Burnout selbst heilen?

Bei frühen Warnzeichen kannst Du viel selbst tun: Belastung senken, Pausen einhalten, Schlaf schützen, Bewegung, Kontakte, Grenzen setzen. Bei ausgeprägter Erschöpfung, Schlaflosigkeit, Panik, depressiven Symptomen oder Suizidgedanken reicht Selbsthilfe nicht aus, und ärztliche Begleitung ist wichtig. Die ehrliche Antwort lautet daher: Früh kannst Du viel selbst beeinflussen, später brauchst Du Unterstützung, und in jedem Fall müssen die Ursachen angeschaut werden, sonst kehrt der Zustand zurück. Ein Nervenzusammenbruch ist übrigens kein medizinischer Fachbegriff. Er beschreibt meist eine akute Überforderungsreaktion, die ärztlich abgeklärt werden sollte.

Drei Verläufe (erfundene Beispiele)

Der schleichende Weg. Anna, 39, Lehrerin, übernimmt jedes Jahr mehr Aufgaben. Zuerst sind es Überstunden, dann Wochenenden. Sie merkt nicht, dass sie ihre Hobbys aufgibt. Nach zwei Jahren ist sie morgens schon müde und denkt: „Die Schüler nerven nur noch.“ Beim Arzt wird sie krankgeschrieben.

Der Knall. Ralf, 44, Teamleiter, hält nach einer Umstrukturierung monatelang durch. Eines Morgens kann er nicht aufstehen. Panik, Herzrasen, Tränen. Er landet beim Notdienst.

Der Rückzug. Mira, 33, Pflegekraft, wird zunehmend gleichgültig gegenüber Patienten und schämt sich dafür. Sie meidet Kollegen, trinkt abends Wein und fühlt sich leer. Ihre Hausärztin erkennt erschöpfungsbedingte Beschwerden und überweist.

Die Bilder sind erfunden, zeigen aber, dass Verläufe unterschiedlich sind: leise, plötzlich oder mit starkem Rückzug.

Innere Antreiber: Warum wir uns selbst überfordern

Viele Menschen tragen innere Sätze, die sie antreiben. Bekannt sind fünf: „Sei perfekt“, „Sei stark“, „Mach es allen recht“, „Beeil dich“ und „Streng dich an“. Sie sind nicht grundsätzlich schlecht, werden aber zur Falle, wenn sie dauerhaft den Ton angeben. Wer immer perfekt sein will, kann nicht ruhen. Wer nie Schwäche zeigen will, holt zu spät Hilfe. Wer allen gefallen will, sagt nie Nein. Du kannst Deine Antreiber erkennen, indem Du fragst: Welche Sätze höre ich in mir, wenn ich Pause machen will? Und dann einen erlaubenden Gegensatz formulieren: „Gut ist gut genug“, „Ich darf Hilfe annehmen“, „Ich darf Nein sagen“, „Ich habe Zeit“, „Ich darf es mir leicht machen“. Mehr dazu: Muster erkennen und verändern und People Pleasing ablegen.

Was der Arbeitsplatz beiträgt: Sechs Belastungsfelder

Forschung zu Arbeitsstress nennt häufig sechs Felder, in denen Passungsprobleme zu Erschöpfung führen: Arbeitsmenge (zu viel in zu wenig Zeit), Kontrolle (wenig Einfluss auf Aufgaben), Belohnung (zu wenig Anerkennung oder Gehalt), Gemeinschaft (Konflikte, Isolation), Fairness (Ungerechtigkeit) und Werte (Arbeit steht gegen eigene Überzeugungen). Prüfe, in welchem Feld Du die größte Spannung spürst. Das hilft, gezielt zu handeln, etwa durch Gespräche, Veränderungen oder die Entscheidung, den Job zu wechseln.

Gespräche vorbereiten: Mit Vorgesetzten, Partner, Arzt

Mit Vorgesetzten: Beschreibe konkret, was Dich belastet, und mache einen Vorschlag („Ich kann Projekt A und B nicht gleichzeitig. Ich schlage vor, A bis Monatsende zu verschieben.“). Mit Partner oder Familie: Sag, wie es Dir geht, und was Du brauchst: Entlastung, Zeit, Zuhören. Mit der Ärztin oder dem Arzt: Schildere Beschwerden und Dauer, und wie sie Alltag und Arbeit beeinträchtigen. Wichtig ist, nicht zu warten, bis der Körper die Entscheidung übernimmt.

So sprichst Du das Thema beim Arzt an: Formulierungshilfe

Viele wissen nicht, wie sie ihre Lage beschreiben sollen. Du kannst sagen: „Ich bin seit Monaten erschöpft und komme nicht mehr zur Ruhe. Ich schlafe schlecht, bin gereizt und leistungsmäßig nicht mehr auf der Höhe. Ich habe den Verdacht, dass ich überlastet bin, und möchte abklären, ob etwas Körperliches oder eine Erschöpfungsreaktion dahintersteckt.“ Nenne konkrete Beispiele (Arbeitszeit, Beschwerden, Veränderungen) und Deine Sorgen. Frag nach Untersuchungen (Blutbild, Schilddrüse), nach Entlastungsmöglichkeiten, Krankschreibung und Weiterüberweisung. Das Wort „Burnout“ kannst Du nennen. Entscheidend ist die Beschreibung der Beschwerden.

Aufbauen statt nur ausruhen: Ein 8-Wochen-Rahmen

  1. Woche 1–2: Stabilisieren. Schlaf, Essen, Bewegung, Ruhe. Keine großen Entscheidungen.
  2. Woche 3–4: Verstehen. Antreiber, Belastungsfelder und Warnzeichen aufschreiben. Gespräche mit Vertrauten.
  3. Woche 5–6: Grenzen üben. Kleine Neins, Pausen, feste Feierabendzeiten.
  4. Woche 7–8: Richtung klären. Was soll sich ändern? Was möchte ich behalten? Konkrete nächste Schritte planen.

Der Rahmen ist eine Anregung, kein Plan für schwere Erschöpfung. Bei starken Beschwerden brauchst Du ärztliche Begleitung.

Kleines Glossar: Begriffe rund um Burnout

  • Maslach Burnout Inventory (MBI): Fragebogen, der Erschöpfung, Zynismus und Leistungsempfinden erfasst.
  • Erschöpfungsdepression: Depressive Erkrankung mit starker Erschöpfung.
  • Anpassungsstörung: Reaktion auf belastende Lebensereignisse oder Dauerstress.
  • Entgeltfortzahlung: Weiterzahlung des Gehalts durch den Arbeitgeber bei Krankheit.
  • Antreiber: Verinnerlichte Leitsätze wie „Sei perfekt“, die Druck erzeugen.
  • Resilienz: Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen und sich zu erholen.

Weiterführende Quellen und Anlaufstellen

  • WHO: ICD-11-Beschreibung von Burnout als berufsbezogenes Phänomen.
  • Krankenkassen und Unfallversicherungen mit Informationen zu psychischer Belastung bei der Arbeit.
  • Betriebsärztinnen und Betriebsärzte sowie betriebliche Beratungsangebote.
  • Terminservicestelle und Bereitschaftsdienst: 116 117. Telefonseelsorge: 0800 111 0 111.

Prüfe bei allen Quellen, ob sie aktuell sind. Leitlinien und Regelungen ändern sich.

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Wie wir bei CoGether begleiten

Wenn Du merkst, dass Du an der Grenze bist, musst Du das nicht allein durchstehen. Eine ärztliche Abklärung gehört an den Anfang. Zusätzlich begleiten wir Dich bei CoGether: im kostenlosen Erstgespräch (hier buchen) klären wir, wo Du stehst und was Du brauchst. Im 1:1-Coaching arbeiten wir an Grenzen, Antreibern und einem tragfähigen Alltag. In der Gruppe Level You Up gehst Du den Weg über sechs Monate mit anderen. Mentoring bei CoGether begleitet Dich in Umbrüchen und Krisen, etwa bei beruflicher Neuorientierung. Coaching und Mentoring behandeln kein Burnout und ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Wichtig zu wissen

Hinweis zum Burnout: Die Checkliste und der Artikel sind keine Diagnose. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine Diagnose, Beratung oder Behandlung durch Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Coaching und Mentoring behandeln keine Erkrankungen und stellen keine Diagnosen. Wenn Du Dich in einer akuten Krise befindest oder Gedanken hast, Dir etwas anzutun, such Dir bitte sofort Hilfe: Notruf 112, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117 oder Telefonseelsorge (kostenlos, rund um die Uhr) unter 0800 111 0 111.

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Häufige Fragen

Welche Phasen hat ein Burnout?
Bekannt ist das Zwölf-Phasen-Modell von Freudenberger und North. Im Alltag wird oft vereinfacht in Warnzeichen, Distanz, Erschöpfung und Zusammenbruch unterschieden. Verläufe sind individuell.

Ist Burnout eine Krankheit?
Die WHO beschreibt Burnout als berufsbezogenes Phänomen, nicht als eigene Krankheit. Ärztlich werden meist andere Diagnosen gestellt, zum Beispiel Depression oder Anpassungsstörung.

Wie erkenne ich, ob ich ein Burnout habe?
Typisch sind anhaltende Erschöpfung, Zynismus oder Distanz zur Arbeit und nachlassende Leistung. Eine Diagnose stellt eine Ärztin oder ein Arzt.

Wie zuverlässig sind Burnout-Tests?
Sie geben eine Orientierung, stellen aber keine Diagnose und grenzen Burnout nicht von Depression oder körperlichen Ursachen ab.

Was ist der Unterschied zwischen Burnout und Depression?
Burnout ist stark arbeitsbezogen. Depression betrifft das ganze Leben, mit gedrückter Stimmung und Freudlosigkeit. Beides kann zusammen auftreten oder ineinander übergehen.

Was kann ich im ersten Schritt tun?
Belastung ehrlich benennen, Pausen und Schlaf schützen, mit einer Vertrauensperson sprechen und bei anhaltenden Beschwerden die Hausarztpraxis aufsuchen.

Wie lange dauert die Erholung?
Das ist sehr unterschiedlich: von Wochen bis zu mehreren Monaten oder länger, je nach Schwere und Ursachen.

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