1. Ist klar, für wen die Ausbildung gedacht ist?
Eine gute Ausschreibung sollte deutlich machen, welche Zielgruppe angesprochen wird und wofür die Weiterbildung qualifizieren soll. Willst Du später selbstständig coachen, Coaching in Führung oder HR einsetzen oder zunächst Deine Gesprächs- und Prozesskompetenz erweitern? Diese Ziele brauchen nicht automatisch dieselbe Ausbildung. Der DBVC nennt eine klar und transparent definierte Zielgruppe, Ziele, Didaktik und Inhalte ausdrücklich als Qualitätsmerkmale von Coaching-Weiterbildungsanbietern.2. Ist das Curriculum nachvollziehbar aufgebaut?
Eine lange Themenliste ist noch kein Curriculum. Entscheidend ist, ob erkennbar wird, wie Lernen aufeinander aufbaut: Welche Haltung wird vermittelt? Welche Gesprächs- und Prozesskompetenzen werden entwickelt? Wann kommt Praxis? Wie werden Erfahrungen ausgewertet? Wie wird Transfer gesichert? Auch die DGSF verlangt für von ihr anerkannte Weiterbildungen einen curricularen Aufbau. Das bedeutet nicht, dass nur DGSF-zertifizierte Angebote gute Ausbildungen sein können. Es zeigt aber, dass ein nachvollziehbarer Lernweg ein sinnvolles Prüfkriterium ist.3. Wie viel echte Coachingpraxis steckt drin?
Coaching lernst Du nicht nur durch Lesen oder Zuschauen. Theorie muss in Anwendung übersetzt werden. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick darauf, wie viel reale oder realitätsnahe Coachingpraxis vorgesehen ist. Der DBVC betont den Bezug zur Praxis ausdrücklich: Berufliche Praxis soll regelmäßig Gegenstand von Lernprozessen sein, Theorie und Praxis sollen miteinander verbunden werden und Teilnehmer sollen eigene Anliegen aus der Praxis einbringen. Frage deshalb konkret: Coachst Du selbst? Bekommst Du Feedback? Beobachtest Du andere? Arbeitest Du nur mit Übungen innerhalb einer Lerngruppe oder auch mit realen Fällen?4. Bekommst Du qualifiziertes Feedback auf Deine Arbeit?
Praxis ohne Feedback kann dazu führen, dass sich Unsicherheiten oder ungünstige Muster einfach wiederholen. Eine starke Ausbildung schafft deshalb Räume, in denen nicht nur das Ergebnis, sondern auch Haltung, Sprache, Prozessführung und Wirkung reflektiert werden. Der DBVC beschreibt unter anderem Rückmeldungs- und Bewusstwerdungsschritte zur eigenen Wirkung sowie die Fähigkeit, die eigene professionelle Beziehung zu reflektieren.NIMM DIR FÜNF MINUTEN
5. Welche Rolle spielen Selbstreflexion und persönliche Entwicklung?
Ein Coach arbeitet immer auch mit der eigenen Wahrnehmung, eigenen Reaktionen und eigenen blinden Flecken. Deshalb reicht Methodenwissen allein nicht. Qualitätsstandards im Coaching betonen Selbstreflexion, Dialogfähigkeit, Glaubwürdigkeit und Vertrauenswürdigkeit. Für Dich heißt das: Prüfe, ob die Ausbildung nur Tools vermittelt oder auch die Frage stellt, wie Du selbst in Beziehungen, Konflikten, Unsicherheit und Verantwortung reagierst.6. Werden Ethik und Kompetenzgrenzen konkret behandelt?
Coaching ist keine Psychotherapie und ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Eine professionelle Ausbildung sollte deshalb nicht nur zeigen, was Coaches tun können, sondern auch, wo ihre Rolle endet. Wichtige Fragen sind: Wie wird mit Krisen umgegangen? Wann braucht es Weiterverweisung? Wie werden Vertraulichkeit, Verantwortung und Machtverhältnisse besprochen? Wie klar wird zwischen Coaching, Beratung, Training und Therapie unterschieden?7. Was bedeutet das Zertifikat tatsächlich?
Das Wort „Zertifikat“ allein sagt wenig über die dahinterliegenden Standards aus. Entscheidend ist, wer es ausstellt und welche Anforderungen daran geknüpft sind. Ein institutseigenes Abschlusszertifikat ist etwas anderes als ein Verbandszertifikat. Die DGSF beispielsweise legt für DGSF-anerkannte Weiterbildungsgänge konkrete formale und inhaltliche Bedingungen fest. Diese Anforderungen gelten für die DGSF-Zertifizierung – sie dürfen nicht automatisch auf alle Coaching-Ausbildungen übertragen werden. Frage deshalb immer: Wer stellt das Zertifikat aus? Welche Leistungen musst Du dafür erbringen? Gibt es Prüfung, dokumentierte Praxis oder andere Abschlussanforderungen? Und brauchst Du für Dein persönliches Ziel überhaupt eine bestimmte Verbandsanerkennung?8. Sind Dauer und Lernumfang transparent?
Eine kurze Ausbildung ist nicht automatisch schlecht, eine lange nicht automatisch gut. Aber Zeit beeinflusst, wie viel Raum für Übung, Wiederholung, Reflexion und Entwicklung vorhanden ist. Bei Verbandszertifizierungen können sehr konkrete Mindestumfänge gelten. Die DGSF nennt für ihre grundständige Zertifizierung „Systemisches Coaching (DGSF)“ beispielsweise eine Regeldauer und Mindestzahl von Unterrichtseinheiten. Das ist ein Standard innerhalb dieses Zertifizierungssystems – kein allgemeines Gesetz dafür, wie lang jede seriöse Coaching-Ausbildung sein muss. Für Deinen Vergleich zählt deshalb vor allem Transparenz: Wie viele Live-Stunden gibt es? Wie viel Selbstlernzeit? Wie viel Praxis? Wie viel Begleitung?9. Sind Kosten, Zusatzkosten und Abschlussbedingungen klar?
Der Preis sollte nicht erst am Ende einer langen Verkaufskette verständlich werden. Prüfe Gesamtpreis, mögliche Prüfungsgebühren, Pflichtseminare, Reiseaufwand, Supervision, zusätzliche Materialien und Verlängerungskosten. Auch bei anerkannten Weiterbildungssystemen spielt Kostentransparenz eine Rolle. Die DGSF verlangt für von ihr anerkannte Weiterbildungsgänge, dass die Gesamtkosten in der Ausschreibung genannt werden.10. Passt die Lernform wirklich zu Dir?
Gruppenausbildung, 1:1-Begleitung, Präsenz, online oder Blended Learning können jeweils sinnvoll sein. Entscheidend ist, wie Du tatsächlich lernst und wie viel persönliche Rückmeldung Du brauchst. Frage Dich deshalb nicht nur, welches Format bequem ist. Frage Dich: In welcher Lernumgebung traue ich mich, Unsicherheit zu zeigen? Wo bekomme ich genug Praxis? Wo kann meine individuelle Entwicklung gesehen werden?Eine einfache Vergleichsmatrix
Wenn Du mehrere Angebote vergleichst, kannst Du sie mit diesen zehn Punkten nebeneinanderlegen:- Zielgruppe und Ziel der Ausbildung
- Curriculum und Lernlogik
- Praxisanteil
- Feedback und Reflexion
- Selbstreflexion und Haltung
- Ethik und Kompetenzgrenzen
- Zertifikat und Abschlussanforderungen
- Dauer und Lernumfang
- Gesamtkosten
- Lernform und persönliche Passung
Wie ordnet sich die CoGether-Ausbildung ein?
Unsere eigene Ausbildung zum Systemischen Coach läuft über 24 Wochen und verbindet persönliche 1:1-Begleitung, Praxis, Feedback, Learning, Entwicklungsdiagnostik sowie Ethik und Kompetenzgrenzen. Sie ist eine CoGether-Ausbildung und wird von uns nicht als DGSF- oder DBVC-zertifizierte Weiterbildung dargestellt. Wenn Du den fachlichen Ansatz hinter dem Begriff zuerst verstehen möchtest, lies ergänzend Was ist systemisches Coaching? Definition, Haltung, Methoden & Grenzen.Quellen & fachliche Orientierung
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